Zupke fordert leichtere Anerkennung für SED-Opfer

17.09.2021 Ungerechte Haftstrafen, Zwangsdoping, Gängelei: Hunderttausende haben zu DDR-Zeiten Unrecht erfahren. Viele leiden noch heute darunter. Sie dürfen nicht «Bürger zweiter Klasse» sein, meint die neue Opferbeauftragte.

Evelyn Zupke, Bundesbeauftragte für die SED-Opfer. Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die neue SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke fordert die leichtere Anerkennung von gesundheitlichen Schäden durch staatliche Unterdrückung in der DDR. Nötig seien eine Umkehr der Beweislast, geeignete Gutachter und kürzere Verfahren, sagte Zupke der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Das ist mir auch ein Herzensthema, dass die Menschen nicht mehr durch diese endlosen Prozeduren müssen.»

Zudem pocht sie auf Einführung eines bundesweiten Härtefallfonds und regelmäßige Erhöhungen der Opferrenten wie bei Altersrenten. «Es kann nicht sein, dass die Opfer Bürger zweiter Klasse sind», sagte Zupke.

An diesem Freitag beginnt im thüringischen Teistungen ein Kongress der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, an dem auch Zupke teilnimmt. Die 59-Jährige hat vor genau drei Monaten ihr neu geschaffenes Amt angetreten, nachdem die Stasi-Unterlagen-Behörde aufgelöst und die Akten der ehemaligen DDR-Staatssicherheit in das Bundesarchiv eingegliedert worden waren.

Dieses Amt habe hohe Erwartungen geweckt, sagte Zupke der dpa. Sie geht von einer sechsstelligen Zahl von SED-Opfern aus, darunter allein 250.000 Haftopfer sowie 50.000 bis 100.000 Menschen, die als Jugendliche auf Jugendwerkhöfen untergebracht waren. Noch heute kämen neue Opfergruppen hinzu, etwa Dopingopfer unter Freizeitsportlern oder Menschen, bei denen sich gesundheitliche Folgen erst nach Jahrzehnten zeigten.

«Ich glaube, das Thema ist noch nie in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern war immer am Rande», sagte Zupke. «Nach 30 Jahren Aufarbeitung heißt es jetzt oft: Was wollen die Leute noch? Es ist ganz wichtig, dass man da dran bleibt.» Sie fügte hinzu: «Aus meiner Sicht endet die Aufarbeitung nicht, schon gar nicht, solange die Opfer noch leben.»

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erklärte vorab zu dem dreitägigen Aufarbeitungskongress 60 Jahre nach dem Mauerbau: «Noch heute leiden viele Menschen unter den Folgen des DDR-Unrechts. Sie kämpfen noch immer mit den Folgen systematischer Unterdrückung und Verfolgung. Ihnen zuzuhören, Ihre Forderungen ernst zu nehmen, das Vergangene aufzuarbeiten, ist nicht nur unser aller Aufgabe und wichtiger Auftrag der Landesregierung, sondern auch ein persönliches Bedürfnis.»

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