Forstrock in Jamel: Kein Camping, keine Workshops, 3G

16.09.2021 Das inzwischen bundesweit bekannte Festival für Demokratie und Toleranz im kleinen Ort Jamel bei Wismar findet in diesem Jahr statt. Doch es wird nicht alles so wie sonst.

Die Sonne steht in Jamel hinter dem Ortsschild. Foto: picture alliance / Axel Heimken/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach einer Corona-Pause im vergangenen Jahr findet das diesjährige Festival Jamel rockt den Förster mit einigen Abstrichen statt. 450 Tickets habe man für die Konzerte am Freitag und Samstag verkauft, die erste Marge sei hierbei innerhalb von zwei Minuten vergriffen gewesen, sagt die Organisatorin Birgit Lohmeyer, die mit der inzwischen bundesweit bekannten Veranstaltung ein Zeichen für zivilgesellschaftliches Engagement gegen Neonazis setzen will.

Wegen der Pandemie sind in diesem Jahr weniger Gäste zugelassen, es gilt zudem die sogenannte 3G-Regel. Besucher müssen also geimpft, genesen oder getestet sein.

Das Line-up ist wie üblich noch geheim. In den vergangenen Jahren hieß das Festival, das sich gegen die starke Neonaziszene in Jamel einsetzt, schon große deutsche Bands wie die Ärzte, die Toten Hosen oder die Beatsteaks willkommen. Zum ersten Mal fand es im Jahr 2007 statt.

Für Besucher wird auch sonst nicht alles so sein, wie in den vergangenen Jahren: Es werde keine Infostände von Vereinen und Initiativen geben, keine Workshops und keine Möglichkeit zu campen. Lohmeyer hofft, dass trotzdem wieder ein bisschen Festivalatmosphäre aufkommt. Und an alle richtete die Organisatorin einen Appell: «Egal, ob ihr Karten bekommen habt oder nicht, geht auf jeden Fall am Wahltag wählen.» Dies ist Lohmeyer, die sich auch abseits des Festivals gegen Neonazis engagiert, sehr wichtig.

Die Situation im Ort selbst sei weiter unverändert. Lohmeyer sagt, sie sei nicht so naiv zu glauben, dass das Festival einen Einfluss auf die Bevölkerung in Jamel habe. Seit der letzten Kommunalwahl sitze der Anführer der Rechtsextremen im Ort auch in der Gemeindeverwaltung. 400 Stimmen habe seine Wählergruppe Heimat erhalten, «das hat uns doch sehr überrascht und bestürzt», sagt sie. Jamel habe insgesamt nur rund 2100 Wahlberechtigte. Der Ort sei in Sachen Rechtsextremismus die Spitze des Eisbergs in unserem Land.

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