Deutlich mehr Schulabbrecher im Jahr 2021

11.09.2021 Nach den ersten Schulschließungen im Frühjahr 2020 konnten alle Schüler in MV versetzt werden, auch wenn die Leistungen nicht ausreichend waren. Die Zahl der Schulabbrecher sank in dem Jahr. Das ist nun vorbei.

Ein Schüler einer 4. Klasse meldet sich in einer Grundschule zu Wort. Foto: Bernd Wüstneck/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Zahl der Schulabbrecher ist in Mecklenburg-Vorpommern nach einem Rückgang im vergangenen Jahr jetzt wieder gestiegen. Im Juni verließen 1075 Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen mit weniger als der Berufsreife, wie das Statistische Landesamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Von ihnen haben 646 gar keinen Abschluss und 429 einen Förderschulabschluss, der ebenfalls nicht zur nahtlosen Aufnahme einer Berufsausbildung berechtigt. Im bundesweiten Vergleich gelten diese Jugendlichen deshalb ebenfalls als Schulabbrecher.

Im vergangenen Jahr waren dem Amt zufolge nur 919 Jungen und Mädchen mit weniger als der Berufsreife aus den allgemeinbildenden Schulen entlassen worden (432 ohne Abschluss, 487 mit Förderschulabschluss). Noch ein Jahr davor - 2019 - waren es 1225 (705 ohne Abschluss, 520 mit Förderschulabschluss). Ihr Anteil an allen Schulabgängern lag 2019 bei 9,2 Prozent, sank 2020 auf 7,2 Prozent, um 2021 wieder auf 8,1 Prozent zu steigen.

«Größere Abweichungen zu den Vorjahren resultieren mutmaßlich aus den pandemiebedingten, geänderten Versetzungsregeln», erläuterten die Statistiker. In der Tat hatte das Bildungsministerium nach den wochenlangen Schulschließungen in der ersten Infektionswelle und des teils holprigen Fernunterrichts im Frühjahr 2020 verfügt, dass alle Schüler ungeachtet der Leistung versetzt werden können. Oppositionspolitiker hatten daraufhin gewarnt, dass es 2021 ein «böses Erwachen» geben werde. Nicht jeder, der 2020 Lernlücken erlitten hatte, konnte sie 2021 so weit schließen, dass er den Abschluss schaffte.

Die Linke hatte vorgeschlagen, das Schuljahr nach den Sommerferien 2020 bis zu den Herbstferien des darauffolgenden Schuljahres zu verlängern, um pandemiebedingte Wissenslücken zu schließen. Dem folgte das Bildungsministerium nicht. «Das rächt sich jetzt», meinte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Simone Oldenburg. «Der Anstieg der Zahl der Jugendlichen, die in der Corona-Pandemie die Schule ohne Abschluss verlassen haben, geschah mit Ansage.» Die Schüler seien zu wenig unterstützt worden und hätten jetzt einen schlechteren Start ins Berufsleben.

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