DUH: Wasserstoff via Nord Stream 2 ist ein «Luftschloss»

10.09.2021 Die am Freitag fertiggestellte Ostseepipeline Nord Stream 2 darf aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nicht in Betrieb gehen. «Nord Stream 2 ist und bleibt ein Megaprojekt, das die Abhängigkeit von fossilem Erdgas auf Jahrzehnte zementieren würde», sagte der DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner am Freitag in Berlin.

Ein Wegweiser steht vor der Erdgasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Besonders kritisch setzt sich die DUH mit dem Argument von Nord Stream 2-Befürwortern auseinander, die Pipeline könne in Zukunft auch Wasserstoff nach Deutschland transportieren. «Der Traum von einer grünen Wasserstoffversorgung über Nord Stream 2 erweist sich als Luftschloss», so die DUH.

Hierzulande hatte beispielsweise der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft der Pipeline großes Potenzial zugeschrieben, «auch Wasserstoff zu transportieren und die jahrzehntelange, verlässliche Energiepartnerschaft mit Russland zu einer Klimapartnerschaft weiterzuentwickeln.» Russland will mit Deutschland bei der Wasserstoffproduktion zusammenarbeiten und ist bereit zur Lieferung des Energieträgers auch in andere Staaten Europas, wie der der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Maxim Reschetnikow, bei einem Treffen mit dem deutschen Botschafter in Moskau, Géza Andreas von Geyr, sagte. «Wir sehen Deutschland hier als einen der Partner mit den besten Perspektiven», sagte der Minister.

«Grüner» Wasserstoff, der ausschließlich mit erneuerbarer Energie gewonnen wird, gilt als einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel. Er kann als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas abzulösen. So gewonnener Wasserstoff kann auch zur Speicherung von eventuell überschüssig produziertem Ökostrom dienen.

Allerdings liegt der Anteil erneuerbarer Energien in Russland nach Regierungsangaben in Moskau bisher bei lediglich einem Prozent, so dass «grüner» Wasserstoff auf absehbare Zeit dort gar nicht in größeren Mengen produziert werden kann. Der für Energiefragen zuständige Vize-Regierungschef Alexander Nowak hatte im Juni gesagt, dieser Anteil solle bis 2040 verzehnfacht werden. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien bereits heute (Stand 2020) bei rund 47 Prozent.

Ein Import von Wasserstoff aus Russland ergäbe somit aus Sicht der DUH angesichts keinerlei Sinn. «Die russischen Wasserstoffpläne sehen vor allem die Produktion von gelbem Wasserstoff (Elektrolyse mit Atomstrom) und türkisem Wasserstoff (Pyrolyse von Methan) vor», so die DUH. «Beides widerspricht den deutschen Klimazielen.»

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