«Es ist zu voll»: Studie zeigt Schattenseiten des Tourismus

08.09.2021 Der Tourismusboom in Mecklenburg-Vorpommern hat auch negative Auswirkungen. Nun zeigt eine Studie, wie sehr die Einheimischen genervt sind.

Passagiere warten am Bahnhof auf ihren Zug. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sehen die große Zahl von Urlaubern in ihrem Bundesland nicht nur positiv. Das zeigt eine Studie zur Akzeptanz des Tourismus, die am Mittwoch in Kühlungsborn im Rahmen der MV-Tourismustage vorgestellt wurde. Demnach sieht die Mehrheit der Menschen zwar positive Effekte - etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung der lokalen Wirtschaft oder den Beitrag zum Erhalt der Kultur.

Doch gleichzeitig ist auch Überlastung, teilweise auch Ablehnung festzustellen. «Das muss man zur Kenntnis nehmen», betonte der Präsident des Landestourismusverbands, Wolfgang Waldmüller. «45 Prozent sagen, es ist zu voll.» Auf der Insel Usedom seien es sogar 67 Prozent der Einwohner, die diese Meinung vertreten, auf Rügen 30 Prozent. 59 Prozent fänden, dass Tourismus zur Belastung der Natur beiträgt. 53 Prozent seien der Meinung, dass Tourismus für einen Preisanstieg sorge, und zwei Drittel erkennen keine Steigerung der Lebensqualität.

Die Umfrage bestätige die Ausrichtung des Verbands, sich auf einen qualitativen und auf die Einwohner ausgerichteten Ausbau zu konzentrieren. Der Erfolg des Tourismus werde von der Akzeptanz der Einwohner abhängen. Künftig müsse geprüft werden, ob der Tourismus für die Menschen am Ort funktioniert und sie die positiven Aspekte erkennen. Sie müssten auch vom Tourismus leben können, sagte Waldmüller. Alle Konzepte und Strategien müssten unter diesen Aspekten geprüft werden.

Um das zu erreichen, wurde am Mittwoch die Diskussionsplattform «wirsindurlaubsland.de» freigeschaltet. So sollen die Bedürfnisse der Bevölkerung erkannt werden.

Verbandsgeschäftsführer Tobias Woitendorf betonte, dass die Branche dynamisch bleiben müsse. Dies bedeute, dass sich der Tourismus gerade nach der Corona-Pandemie Innovationen stellen müsse. «Wenn ein Besserer kommt, dann muss der Schlechteste vielleicht Platz machen.» Dann sei diese Entwicklung für das Gesamtsystem gut, es sei aber nicht weiter gewachsen. «Das ist der Weg, an dem wir uns in den nächsten Jahren entwickeln müssen.»

Zum Auftakt der Tourismustage plädierte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) für eine dauerhaft niedrigere Steuerbelastung der Branche. «Die Branche braucht auch in den nächsten Jahren verlässliche Unterstützung. Deshalb sollte die Mehrwertsteuersenkung dauerhaft sein», sagte Schwesig. Die Corona-Pandemie habe die Branche hart getroffen. Sie betonte zudem die Bedeutung der Branche für das Land, mehr als 100 000 Menschen seien im Nordosten im Tourismus beschäftigt.

© dpa-infocom GmbH

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