Viele Anträge zeigen gestiegenes Interesse an Briefwahl

05.09.2021 Immer mehr Menschen nutzen die Briefwahl. Durch die Corona-Pandemie wurde der Trend noch einmal verstärkt. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im März etwa war der Anteil der Briefwähler mit 66 Prozent dreimal so hoch wie 2016 bei der Landtagswahl in MV.

Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl 2021 liegen auf einem Tisch. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich für die zeitgleich am 26. September stattfindenden Bundes- und Landtagswahlen ein Rekord-Anteil an Briefwählern ab. Bei den örtlichen Wahlbehörden gingen bereits in den ersten Tagen nach Versand der Wahlbenachrichtigungen Tausende von Anträgen auf Zusendung der Briefwahlunterlagen ein. Die Nachfrage ist dabei deutlich höher als bei früheren Wahlen, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Kreisen und Städten.

Für die Doppelwahl Ende September werde mit einer Briefwahlquote von mindestens 50 Prozent gerechnet, heißt es in der Antwort aus dem Kreis Vorpommern-Greifswald. Ähnlich sind die Erwartungen in Neubrandenburg, wo nach Angaben einer Sprecherin schon in der ersten Woche mehr als 4000 Mal Briefwahlunterlagen beantragt wurden. «Das hatten wir noch nie», sagte sie. In Neubrandenburg und anderen Orten des Landes öffnen an diesem Montag Briefwahllokale, in denen schon jetzt - auch ohne vorherigen schriftlichen Antrag - die Stimmabgabe erfolgen kann.

In Schwerin, wo bereits seit dem 1. September Briefwahl möglich ist, wurden nach Angaben der dortigen Wahlbehörde mehr als 10 000 Briefwahlunterlagen angefordert und teilweise auch schon verschickt. Die Stadt sprach von einer Antragsflut, so dass von einer ungleich höheren Briefwahlquote als zur Landtagswahl 2016 auszugehen sei.

In Rostock, wo 168 000 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen sind, gehen den Angaben der Stadt zufolge täglich mehrere Tausend Anträge ein. Bis Donnerstag seien rund 28 000 Wahlscheine ausgestellt worden. Berufliche Gründe, Urlaubsfahrten oder ein bevorstehender Umzug würden hauptsächlich als Gründe für die Beantragung von Briefwahlunterlagen genannt, hieß es.

Zur Bundestagswahl 2017 habe es in der Hansestadt insgesamt 34 000 Briefwähler gegeben. Damit habe der Anteil der Wahlberechtigten, die ihre Stimme vorfristig per Brief abgaben, damals bei etwa 20 Prozent gelegen. In Erwartung einer deutlichen Zunahme sei in Rostock die Zahl der Briefwahlvorstände auf 52 erhöht und damit fast verdoppelt worden.

In Greifswald hatten in der Vorwoche rund 5000 und damit schon mehr als 10 Prozent der 46.000 Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen beantragt. In Stralsund gingen nach Angaben der Stadt mehr als 4000 solcher Anträge ein, viele würden noch erwartet. Wie der Sprecher des Landkreises Nordwestmecklenburg, verwiesen auch andere Kreissprecher auf die Zuständigkeit der Wahlbehörden in Städten, Gemeinden und Ämtern, konstatierten unter Berufung auf erste Rückmeldungen aber auch dort eine hohe Nachfrage.

Der Anteil der Briefwähler wächst in Deutschland seit Jahren. Doch hat sich in der Corona-Pandemie - mit Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen - der Trend noch einmal massiv verstärkt. So nutzten bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im März dieses Jahres schon rund 66 Prozent der Wähler die Briefwahl.

Bei der Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern hatte der Anteil der Briefwähler bei 20 Prozent gelegen. Wie aus dem ausführlichen Ergebnisbericht der Landeswahlleiterin hervorgeht, machten davon vor allem Wähler der Linken und der Grünen Gebrauch. Aber auch die CDU fand bei Briefwählern mehr Zustimmung als bei Menschen, die die traditionelle Urnenwahl bevorzugten. Bei der AfD war dies umgekehrt.

© dpa-infocom GmbH

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