Streik macht Bahnfahrern das Leben weiter schwer

03.09.2021 Der Streik der Lokführer beeinträchtigt den Bahnverkehr im Nordosten weiterhin. Die Bahn hat ihren Ersatzfahrplan im Fernverkehr nach dem gescheiterten Antrag auf eine einstweilige Verfügung etwas ausgebaut. Doch auch am Wochenende werden Reisende mit vollen Zügen rechnen müssen.

Ein Signal am Bahnhof Berlin-Lichtenberg leuchtet rot. Foto: Christoph Soeder/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat auch am Freitag weiter ein stark eingeschränktes Angebot der Deutschen Bahn zur Folge gehabt. Zuvor hatte das Unternehmen erfolglos versucht, gerichtlich gegen den Streik vorzugehen. «Der Ersatzfahrplan läuft weiterhin stabil, am Wochenende können wir sogar etwas mehr Verbindungen anbieten», hieß es von einem Bahnsprecher. Die Bahn lässt auf viel genutzten Strecken Züge oder Busse nach einem Ersatzfahrplan verkehren, der jedoch deutlich reduziert ist. «Nach wie vor müssen Reisende in den kommenden Tagen mit Einschränkungen und vollen Zügen rechnen», so die Bahn.

Ein Ersatzfahrplan gilt nach Unternehmensangaben weiterhin auf den Verbindungen Rostock-Schwerin-Hamburg, Stralsund-Pasewalk-Angermünde- Berlin, Lübeck-Bad Kleinen-Güstrow-Ueckermünde, Züssow-Usedom, Rostock Neustrelitz-Berlin und auf der S-Bahn-Strecke Warnemünde- Rostock-Güstrow. Zwischen Wismar und Tessin sowie Rostock und Graal-Müritz sei der Zugverkehr nach Regelfahrplan abgesichert. Weitere Regionalverbindungen wurden gänzlich gestrichen. Darunter sind die Verbindungen Stralsund-Greifswald, Wismar-Schwerin- Ludwigslust und die S3.

Für das Wochenende kündigte die Bahn an, zusätzliche Züge zur Verfügung zu stellen. So soll das Angebot im Fernverkehr von aktuell 25 Prozent der üblichen Verbindungen auf 30 Prozent steigen. Am Samstag und am Sonntag werden den Angaben zufolge nun Fernzüge zwischen Rostock, Berlin und Dresden eingesetzt. Auch auf der Regionalstrecke zwischen Hamburg und Schwerin fahren wie gestern angekündigt zusätzliche Züge. Die Regionalverbindung zwischen Berlin und Rostock konnte jedoch nur am Freitag aufgestockt werden, so ein Sprecher. Die Bäderbahn auf Usedom stehe weiter still, Urlaubsgäste müssen sich mit dem Ersatzfahrplan zufriedengeben. Der Streik soll bis Dienstag, 02.00 Uhr, andauern.

Das Unternehmen riet den Fahrgästen, nicht zwingend nötige Fahrten zu verschieben. Es gebe umfangreiche Kulanzregelungen. Alle bereits gebuchten Fahrkarten des Fernverkehrs für Strecken, die vom GDL-Streik betroffen seien, behielten ihre Gültigkeit und könnten bis einschließlich 17. September flexibel genutzt werden. Die Zugbindung bei Sparpreisen und Super-Sparpreisen sei aufgehoben. Wer trotzdem mit der Bahn fahre, dem riet das Unternehmen, einen Sitzplatz zu reservieren.

Nicht direkt betroffen sind die Verbindungen der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg), die mehrere Linien in Mecklenburg-Vorpommern bedient. Wie schon am Vortag gebe es auch am Freitag ein erhöhtes Fahrgastaufkommen, «doch es läuft alles nach Plan», hieß es von einer Sprecherin. Wie schon bei Streiks zuvor, versuchen Reisende die Odeg zu nutzen, um Teilstrecken zurücklegen zu können und dann in die Bahn umzusteigen. So zum Beispiel die Strecken Wismar-Schwerin und in Richtung Berlin. Von Arbeitsniederlegungen bei der Bahn wäre die Odeg den Angaben zufolge erst betroffen, wenn Stellwerke und Betriebsleitzentralen bestreikt würden.

Die GDL-Mitglieder streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangen sie eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Die Bahn will die Erhöhung nach den coronabedingten Verlusten über eine längere Zeit strecken. Am Donnerstagabend wurde ein Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik der Gewerkschaft vom zuständigen Arbeitsgericht in Frankfurt abgewiesen. Die Bahn prüft nun, ob sie die GDL für die wiederholten Streiks auf Schadenersatz verklagt.

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