Grünen-Politikerin beklebt CDU-Plakate: Kritik

02.09.2021 Aufmerksamkeit hat die Grünen-Bundestagskandidatin Katharina Horn mit ihrer Plakataktion gefunden, Verständnis hingegen nicht. Selbst ihre eigene Parteispitze musste einräumen, dass die Grenze zur Unfairness überschritten wurde.

Katharina Horn, Sprecherin der Grünen Jugend Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eine illegale Aktion im Wahlkampf bringt die Greifswalder Grünen-Bundestagskandidatin Katharina Horn in Bedrängnis. Die Bootsbauerin, die mit Platz zwei auf der Grünen-Landesliste gute Chancen auf den Einzug in das Bundesparlament hat, räumte am Donnerstag ein, CDU-Wahlplakate manipuliert zu haben. «Ich habe mich vor dem Hintergrund der Wahlauseinandersetzung, der Debatten um Maskendeals und Korruptionsvorwürfe, leider dazu hinreißen lassen, Plakate der CDU mit Stickern zu bekleben. Ich habe den betroffenen CDU-Kandidaten Michael Sack heute in einem Telefonat um Entschuldigung gebeten und danke ihm, dass er diese angenommen hat», heißt es in einer Erklärung Horns.

Wie eine Polizeisprecherin sagte, war die 23-Jährige von einer Streife dabei ertappt worden, wie sie auf den Schultern eines jungen Mannes stehend, den Aufkleber «korrupt» auf einem Plakat des CDU-Spitzenkandidaten zur zeitgleich stattfindenden Landtagswahl aufbrachte. Laut Polizei wird nun gegen beide wegen des Verdachts der Sachbeschädigung ermittelt. Zuerst hatte der «Nordkurier» darüber berichtet.

Für die CDU kritisierte Junge-Union-Landeschef Georg Günther, der in Horns benachbartem Wahlkreis zur Bundestagswahl antritt, die Aktion der Grünen-Politikerin. «Der Vorfall schockiert mich zutiefst», heißt es in einer Mitteilung. Günther mahnte einen fairen und sachlichen Streit über Inhalte an.

Am Abend reagierte auch Sack. Er akzeptiere die Entschuldigung Horns. Der Vorwurf der Korruption wiege aber schwer, weil es sich um eine Straftat handele. «Dass sie diesen Vorwurf mir gegenüber erhoben hat, ist grob ehrabschneidend», betonte der CDU-Landeschef. Wie weit das Unrechtsbewusstsein bei den Grünen reiche, sei schwer zu beurteilen. «Von den Grünen nehme ich jedenfalls keine Belehrungen mehr entgegen, was Themen wie "Fairness" oder "Demokratie" angeht», so Sack weiter.

Die Plakataktion sei eine politisch motivierte Straftat und entlarve die Grünen endgültig als demokratieunfähig oder -unwillig, konstatiert AfD-Landeschef Leif-Erik Holm, der ebenfalls in Vorpommern für den Bundestag kandidiert. Er forderte Horn auf, ihre Kandidatur zurückzuziehen.

Auch bei ihrem Landesvorstand traf das Verhalten der Landessprecherin der Grünen Jugend auf Kritik. «Sie sieht selbst, dass - bei allem Unmut über die CDU-Politik - die Grenze zur Unfairness klar überschritten wurde», erklärte Grünen-Landeschef Ole Krüger. Die Co-Vorsitzende Weike Bandlow betonte, dass die Beschädigung von Wahlplakaten nicht der Art und Weise entspreche, wie sich Grüne mit politischen Mitbewerbern auseinandersetzen. Doch zeigte sie sich sicher, dass Katharina Horn «in Zukunft wieder die angemessenen Möglichkeiten der politischen Auseinandersetzung nutzen» werde.

Horn ist direkte Konkurrentin von Philipp Amthor, der wegen seiner Lobby-Tätigkeit für ein US-amerikanisches IT-Unternehmen in die Kritik geraten war und im Wahlkreis 16, Mecklenburgische Seenplatte I/Vorpommern-Greifswald II, sein Direktmandat verteidigen will. Dem «Nordkurier» sagte Amthor: «Wer mutwillige Sachbeschädigung für eine Petitesse hält, ist für den Bundestag offensichtlich nicht geeignet.»

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