Cuttermesser-Attacke - Täter in Psychiatrie eingewiesen

19.08.2021 Während einer Geburstagsfeier attackiert ein Mann seine Bekannten urplötzlich mit einem Cuttermesser. Einer stirbt, der Andere wird lebensgefährlich verletzt. Der Täter wurde nun freigesprochen - und kommt trotzdem nicht auf freien Fuß.

Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess um eine tödliche Cuttermesserattacke hat das Landgericht Stralsund den Maßregelvollzug in einem psychiatrischen Haftkrankenhaus für den Täter angeordnet. Der 31-Jährige wurde zwar wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, werde aber als «für die Allgemeinheit gefährlich» eingestuft, erklärte Richter Kai Klingmüller am Donnerstag in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte musste sich wegen versuchten Mordes und Totschlag verantworten. Er sagte aber im Prozess kein Wort dazu (AZ: 21 Ks 3/21).

«Für uns ist klar: Das Opfer war wehrlos», sagte Klingmüller mit Blick auf den damals zuerst attackierten Gastgeber. Der Täter habe unter Drogeneinfluss und «in wahnhaftem Erleben» bei der Feier den Gastgeber hinterlistig mit einem Cuttermesser angegriffen und danach den Freund getötet, der zu Hilfe geeilt war. Der Gastgeber wurde lebensgefährlich verletzt.

Der Vorfall ereignete sich am 25. Januar bei einer Geburtstagsfeier des Trios in einem kleinen Zimmer einer Wohnung in Greifswald. Dort wollte man mit Cannabis und Alkohol den Geburtstag begehen, wie der Jubilar vor Gericht erklärte. «Es war wie in einem schlechten Horrorfilm», sagte der Greifswalder.

Der 31-Jährige, der immer ein Cuttermesser in der Tasche hatte, sei plötzlich aufgestanden und habe sich eine Wasserpfeife gestopft. Diese habe er dem Jubilar vor das Gesicht gehalten und angezündet. Das sei merkwürdig gewesen. «Wir sehen das als kleines Ablenkungsmanöver», sagte der Richter. Dann habe der Mann zugestochen. «Ich dachte, mich hätte was am Hals gebissen», sagte der Zeuge. Der Angreifer habe zudem gesagt, dass er auch die Kinder des Gastgebers umbringen wolle.

Dann habe der Freund den Angreifer weggezogen und wurde dabei tödlich am Hals verletzt. Schließlich hatte der Gastgeber den Angreifer zu Boden ringen können, bis die Polizei kam. Ein Nachbar und die Frau, der die Wohnung gehörte, hatten die Beamten alarmiert.

Nach Angaben des Landgerichts stand der Angeklagte zur Tatzeit unter Führungsaufsicht. Er war wegen dreifacher räuberischer Erpressung im September 2020 vom Amtsgericht Greifswald zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Zudem war ein Drogenentzug angeordnet worden. Der Mann hatte demnach Passanten beraubt, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt, was Führungsaufsicht zur Folge hatte. Den ambulanten Drogenentzug hatte er aber abgebrochen.

Die Schuldunfähigkeit des Angeklagten hatte während dem Prozess ein Gutachter festgestellt. Demnach habe der 31-Jährige bei der Tat in der Wohnung in Greifswald «im Wahn» gehandelt. Dies sei das Ergebnis aus depressiver Störung und steigendem Drogenkonsum. Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter hatte der Verurteilte erklärt, dass er sich an den Vorfall vom Januar gar nicht mehr erinnern kann. Er habe sich aber von den Anderen ausspioniert gefühlt.

Mit dem Urteil folgte das Gericht den Anträgen beider Seiten. Allerdings hatte der Verteidiger Zweifel geäußert, ob sich das Geschehen unter den drei Männern genauso zutrug. Demnach könne auch der Gastgeber und Zeuge der Angreifer gewesen sein. «Für uns war der schwerverletzte Zeuge glaubhaft», sagte der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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