Sorge um maritime Wirtschaft in Rostock

18.08.2021 Angesichts drohender Jobverluste haben sich Politiker und Gewerkschaft für einen Erhalt der maritimen Wirtschaft in der Hansestadt Rostock ausgesprochen. «Wir brauchen jetzt alle politischen Kräfte in diesem Land», sagte Stefan Schad, Geschäftsführer der IG Metall Rostock und Schwerin bei der Kundgebung am Mittwoch. Zu der Versammlung im Vorfeld der Bürgerschaftssitzung in der Rostocker Stadthalle waren schätzungsweise mehr als 100 Menschen gekommen.

Der Geschäftsführer der IG Metall Rostock und Schwerin Stefan Schad spricht auf einer Kundgebung. Foto: Christopher Hirsch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Unter ihnen waren neben Beschäftigten auch mehrere Politiker wie der Rostocker Oberbürgermeister. Claus Ruhe Madsen (parteilos) zeigte Verständnis für die Frustration Betroffener, warb aber dafür, statt mit Konfrontation, gemeinsam für den Hafen und die maritime Industrie zu kämpfen. Man sei schon seit längerem «unter Deck unterwegs». Mit der Landesregierung verhandele man etwa über eine Wasserstoffforschungsfabrik im Hafen. Das sei ökologisch sinnvoll und biete wirtschaftliche Perspektiven.

Schad wies auf die kurzfristigen Probleme hin. Die Kollegen auf den MV-Werften rette man nur mit einem neuen Auftrag. «Und der kann nur «Global 2» und «Endeavor 2» heißen, alles andere kommt an der Stelle zu spät.»

Der Mutterkonzern der MV-Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund war wegen der Coronakrise in Schieflage geraten. Derzeit wird in Wismar an dem riesigen Kreuzfahrtschiff «Global Dream» gebaut. In Stralsund wurde bereits das Expeditionskreuzfahrtschiff «Crystal Endeavor» fertiggestellt. Die Finanzierung der ursprünglich geplanten Folgeaufträge ist bisher nicht gesichert. Mehr als 570 Mitarbeiter der ursprünglich knapp 3000 Beschäftigen der MV-Werften sind bereits in eine Transfergesellschaft gewechselt.

Auch andere Unternehmen der Branche mit Standorten in Rostock haben Probleme. Die Neptun-Werft mit 600 Mitarbeitern hatte Ende Mai den Wegfall von bis zu 180 Stellen angekündigt. Grund sei auch hier die Corona-Krise. Der amerikanische Motorenbauer Caterpillar will den Verkauf bestimmter Motoren einstellen, wovon auch das Rostocker Werk betroffen ist. Hier sind laut Gewerkschaft etwa 130 Menschen beschäftigt.

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