SPD und CDU streiten um Bejagung von Wölfen

18.08.2021 Nur sogenannte Problemwölfe, die immer wieder Nutztiere angreifen, dürfen in Deutschland getötet werden. Das geht den betroffenen Bauern nicht weit genug. Sie fordern eine Regulierung der Bestände. Darüber wird in der Politik gestritten - mit tierischen Vergleichen.

Ein Wolf steht in einem Gehege. Foto: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Dauerstreit zwischen SPD und CDU um den Abschuss von Wölfen gewinnt im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern deutlich an Schärfe. Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) bewertet den jüngsten Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für eine lokale Bejagung von Wölfen als unrealistisch und «Wahlkampf-Getöse». Klöckner wisse, dass der Wolf eine nach EU-Recht streng geschützte Art sei und es für die Jagd auf das Tier keine Rechtsgrundlage gebe. Erst wenn die Behörden in Brüssel den günstigen Erhaltungszustand attestierten, könne es Maßnahmen zur Bestandsregulierung geben.

Er habe Klöckner mehrfach gebeten, sich bei der EU dafür einzusetzen, doch passiert sei bislang nichts, sagte Backhaus am Mittwoch. «Ich kann nur sagen, wenn eine Ministerin mit den Wölfen heult, um Stimmen zu fangen, wird das noch lange kein Lied und bestimmt kein Hit», so Backhaus.

Nach den Worten des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesagrarministerium, Uwe Feiler (CDU), geht der Vorwurf mangelnder Initiative in Brüssel an die falsche Adresse. «Er muss seine Parteifreundin, Bundesumweltministerin Svenja Schulze, auffordern, endlich zu handeln und nicht mehr weltfremd die Augen vor der Realität zu verschließen – sie ist klar zuständig», machte Feiler deutlich. Das Agrarressort setze sich schon lange dafür ein, dass die EU den günstigen Erhaltungszustand beim Wolf anerkennt.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Beate Schlupp nahm die Debatte zum Anlass, ihre Forderung nach Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht zu erneuern. Der Wolf habe seine Scheu vor dem Menschen abgelegt, seine Population wachse stark, und die von ihm angerichteten Schäden nähmen zu. «Das EU-Recht spricht ganz sicher nicht dagegen, sonst könnten andere EU-Länder keine Bestandsgrößen oder Abschussquoten festlegen», hielt sie Backhaus entgegen.

Schlupp nannte den SPD-Politiker einen uneinsichtigen Landwirtschaftsminister, der wider besseren Wissens falsche Tatsachen in die Welt setze. «Wenn Herr Backhaus versucht, die Bundeslandwirtschaftsministerin über die Rechtslage zu belehren, dann sieht das für mich sehr danach aus, als würde da jemand den Mond anbellen», sagte Schlupp.

Klöckner hatte sich angesichts zunehmender Schäden bei Tierhaltern durch Wolfsrisse einem Zeitungsbericht zufolge für eine Bejagung der Tiere in bestimmten Regionen ausgesprochen. Zuvor hatte der Deutsche Bauernverband unter Hinweis auf die jüngste Schadensstatistik seine Forderung nach Regulierung der Wolfsbestände erneuert.

Demnach wurden im vergangenen Jahr bundesweit 3959 Weidetiere von Wölfen getötet, ein Drittel mehr als 2019. Den vorgelegten Zahlen zufolge registrierte Niedersachsen mit 1477 gerissenen Nutztieren die meisten Wolfsopfer, gefolgt von Brandenburg (864) und Mecklenburg-Vorpommern (452).

Backhaus verwies darauf, dass Tierhalter im Nordosten in ihrem Bemühen unterstützt würden, ihre Herden vor dem Wolf zu schützen, etwa beim Kauf spezieller Weidezäune. Zudem dürften nach Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes inzwischen Wölfe erlegt werden, die wiederholt Zäune überwunden und Tiere getötet haben. Im Monitoring-Jahr 2019/20 wurden laut der Statistik in Deutschland 128 Wolfsfamilien, 39 Wolfspaare und 9 territoriale Einzeltiere nachgewiesen.

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