Lange Wege zu Bus und Bahn in Mecklenburg-Vorpommern

18.08.2021 600 Meter bis zur Bushaltestelle und 1200 Meter bis zum Bahnhof gelten als zumutbar. Doch ist in Mecklenburg-Vorpommern der Weg für jeden fünften Einwohner länger. Damit ist der Nordosten Schlusslicht.

Ein Schild weist auf eine Bushaltestelle hin. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Wege zu Bus- und Bahnhaltestellen sind nach Angaben der Allianz pro Schiene nirgendwo so weit wie in Mecklenburg-Vorpommern. Wie der Verband am Mittwoch unter Berufung auf Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung mitteilte, erreichen im Nordosten nur 78,9 Prozent der Einwohner Bus und Bahn in einer angemessenen Zeit. Für diese Personen liege die nächste Bushaltestelle in einem Radius von 600 Metern Luftlinie oder der nächste Bahnhof in einem Umkreis von 1200 Metern. Im Bundesweiten Durchschnitt treffe das auf 91,4 Prozent der Bevölkerung zu, wobei in die Berechnungen auch die Stadtstaaten mit ihren dichten Nahverkehrsnetzen einbezogen wurden.

Die Auswertung der Daten aus dem Jahr 2020 habe große Unterschiede zwischen den Flächenländern offenbart, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Besonders in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern sei der öffentliche Verkehr in der Fläche stark ausgedünnt. «Das stellt der Landespolitik dort kein gutes Zeugnis aus», konstatierte Flege. Besonders dichte Netze an Haltestellen und Bahnhöfen gebe es im Saarland und in Hessen.

600 Meter entsprächen einem Fußweg von acht bis zehn Minuten. Dies werde vom Bundesinstitut als noch zumutbar bewertet, hieß es. Beim Weg zum Bahnhof werde auch die doppelte Distanz noch als hinnehmbar eingestuft.

Doch stellt die Allianz pro Schiene im Vergleich zur Erhebung von 2018 auch Verbesserungen fest. Damals habe die gute Erreichbarkeit bundesweit noch bei einem Wert von unter 90 Prozent gelegen. «Auch auf dem Land sind weniger Menschen abgekoppelt vom öffentlichen Verkehr. Bus und Bahn kommen zurück in die Fläche», stellte Flege fest. Dies treffe auch auf die Schlusslichter zu. So sei die Quote in Mecklenburg-Vorpommern von knapp 75 auf knapp 79 Prozent gewachsen, der Rückstand zum Bundesdurchschnitt bleibe aber groß.

Die Landesregierungen dürften sich nicht auf ersten Erfolgen ausruhen, mahnte Flege. Klimaschutz im Verkehr gehe nur mit einem dichten Netz an Bahnhöfen und Haltestellen und verlässlichen Taktfahrplänen. «Auch in der so genannten Provinz sollte es eine Mobilitätsgarantie geben, die deutschlandweit ein Leben ohne eigenes Auto ermöglicht», erklärte der Pro-Schiene-Geschäftsführer.

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