MV verliert Punkte in Bildungsvergleich: Platz neun

18.08.2021 Die Bildungsqualität in Mecklenburg-Vorpommern ist aus Sicht der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft im Bundesländer-Vergleich nur Mittelmaß. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Land Punkte in der Bewertung verloren.

Ein Schwamm liegt an der Schultafel. Foto: Annette Riedl/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mecklenburg-Vorpommern kommt im Ländervergleich der Bildungssysteme in Deutschland aus Sicht der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) nicht weiter nach oben und verharrt auf Platz neun. Dies geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten aktuellen «Bildungsmonitor» der Initiative hervor. Bei der Betrachtung von zwölf Handlungsfeldern hat der Nordosten gegenüber dem Vorjahresvergleich 2,9 Leistungspunkte eingebüßt und kommt jetzt auf 46,4 Punkte.

Demnach bleibt Sachsen (66,8 Punkte) wie in den Vorjahren auf Platz eins, vor Bayern, Hamburg und Thüringen. Schlusslicht ist Bremen (39,6 Punkte) hinter Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin. Die Corona-Krise habe in allen Bundesländern Schwachpunkte der Bildungssysteme offen gelegt, hieß es. Wie groß der entstandene Schaden sei, werde erst in den kommenden Jahren in vollem Umfang erkennbar werden.

In der Studie wird nach INSM-Angaben «explizit eine bildungsökonomische Sichtweise eingenommen». Es geht zum Beispiel darum, inwieweit das jeweilige Bildungssystem zur Fachkräftesicherung beiträgt, aber auch um Bildungsgerechtigkeit, also den Zugang zu Bildung. Verglichen werden Ergebnisse aus Vergleichstests von Schülerinnen und Schülern sowie statistische Daten - etwa, wie viel Geld ein Land pro Schüler ausgibt, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern oder wie hoch der Anteil jüngerer Lehrer ist. Auch Schul- und Azubi-Abbrecherquoten werden untersucht.

Arbeitgeberverbände im Nordosten zeigten sich unzufrieden mit der gegenwärtigen Bildungspolitik in MV. «Die anstehende Pensionierungswelle bei den Lehrkräften gefährdet das Schulsystem und die Berufsbildung in Mecklenburg-Vorpommern. Das Problem ist schon lange bekannt, aber die Landesregierung steuert seit Jahren sehenden Auges in ein riesiges Problem», kritisierte Peter Golinski, Geschäftsführer Bildung und Arbeitsmarkt der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord. Schon jetzt weise etwa die Schüler-Lehrer-Relation an den beruflichen Vollzeitschulen mit 15,6 zu eins den schlechtesten Wert aller Bundesländer auf. Der Bundesdurchschnitt liege bei 13,2 Schülern je Lehrer.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) räumte ein, dass die Deckung des Lehrerbedarfs eine der größten Herausforderungen jetzt und in den kommenden Jahren sei. Nach einer Prognose aus dem Jahr 2017 würden bis 2030 rund 8000 neue Lehrerkräfte benötigt, erklärte sie. Der Generationswechsel sei in vollem Gange. «Wir konnten seit dem Schuljahr 2017/18 davon bereits 3500 neue Lehrkräfte, also rund ein Drittel, in den Schuldienst in MV einstellen.» Zu Beginn dieses Schuljahrs habe das Land mit 657 Lehrkräften so viele neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt wie noch nie.

Die oppositionelle Linke im Landtag forderte 1000 zusätzliche Lehrerstellen in den kommenden fünf Jahren, auch um die Lernrückstände der Kinder und Jugendlichen aus der Corona-Pandemie durch gezielte Förderung auszugleichen. Der FDP-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, René Domke, meinte: «Mit dem neunten Platz im Bildungsranking können wir nicht zufrieden sein, zumal wir in vielen Kategorien deutlich schlechter abschneiden.»

Als problematisch sieht die INSM-Studie in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel, dass knapp 2800 Ausbildungsverträge im Jahr 2019 vorzeitig aufgelöst wurden. Gemessen an den knapp 7900 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sei das eine Quote von 35,1 Prozent. Der Bundesdurchschnitt habe bei 30 Prozent gelegen.

Auch die Betreuungssituation in den Kitas Mecklenburg-Vorpommerns wird kritisch gesehen. Zwar besuchen in MV überdurchschnittlich viele Kinder eine Ganztagseinrichtung (73 Prozent; Bundesdurchschnitt: 47,6 Prozent), doch muss sich der Studie zufolge im Nordosten eine betreuende Person im Schnitt um 8,7 Kinder kümmern. Bundesweit seien es durchschnittlich nur 5,8 Kinder.

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