Maskenpflicht an Schulen ausgesetzt: Impfungen ab Dienstag

15.08.2021 Zwei Wochen nach dem Schulstart können an den Schulen im Nordosten die Masken wieder fallen. Vorerst. Denn die wachsende Zahl von Corona-Neuinfektionen lässt befürchten, dass wieder schärfere Schutzmaßnahmen nötig werden. Impfen soll dem entgegenwirken.

Ein medizinischer Mitarbeiter impft eine Frau. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz wieder steigender Infektionszahlen wird von Montag an die Maskenpflicht an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern ausgesetzt. Der Landeselternrat begrüßte diese Entscheidung der Landesregierung, verlangt aber flankierende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. «Ziel muss ganz klar der vollumfängliche Präsenzunterricht für alle Schüler im Land sein. Dem muss sich alles unterordnen», forderte der Elternratsvorsitzende Kay Czerwinski.

Er erneuerte seine Kritik an der fehlenden Ausstattung der Schulen mit Luftfilteranlagen. Während andere Bundesländer alle Klassenräume bis zu den Herbstferien mit solchen Geräten ausstatten wollten, habe dies die Landesregierung in Schwerin mit ihrem zögerlichen Handeln verschlafen.

In Mecklenburg-Vorpommern bestand für die ersten zwei Schulwochen nach den Ferien Maskenpflicht, um Ansteckungen durch Reiserückkehrer aus Risikogebieten möglichst einzudämmen. Sie wird von Montag an ausgesetzt. Nach Erhebungen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales wurden vom 2. bis zum 13. August knapp 60 Schüler positiv auf das Coronavirus getestet. Sie wie auch unmittelbare Kontaktpersonen mussten daraufhin der Schule fernbleiben.

Der neuen Corona-Schulverordnung des Landes zufolge sollen Schulen bei Infektionsfällen und Überschreitung bestimmter Inzidenzwerte in Kreisen und Städten nicht mehr automatisch und präventiv geschlossen werden. Die Entscheidungen darüber treffen die kommunalen Gesundheitsämter.

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule wird allerdings wieder zur Pflicht, sobald im Landkreis oder der kreisfreien Stadt die landeseigene Corona-Ampel an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Stufe Orange oder höher anzeigt. Am Sonntagnachmittag standen alle Regionen noch bei Grün oder Gelb. Das freiwillige Tragen der Maske ist weiterhin erlaubt. Für Schüler und Lehrer besteht laut Bildungsministerium weiterhin die Pflicht, sich zweimal pro Woche zu testen. Davon ausgenommen sind vollständig geimpfte oder genesene Personen.

Czerwinski äußerte sich froh darüber, dass «wirklich sehr selektiv mit positiv getesteten Schülern umgegangen wird und nicht ganze Klassen, Klassenstufen oder sogar Schulen in Quarantäne geschickt werden». Distanzlernen und Wechselunterricht - wie im vorigen Schuljahr fast an der Tagesordnung - dürfe es nicht mehr geben. «Die mit diesen Maßnahmen ausgelösten psychosozialen Erkrankungen bei Kindern sind sehr viel gravierender als die Infektion mit Corona», sagte Czerwinski unter Hinweis auf die in der Regel milden Krankheitsverläufe bei Kindern.

Laut Bildungsministerium wird es von diesem Dienstag an erste Corona-Impfangebote für Schüler an ihren Schulen geben. Wie ein Sprecher sagte, werden die Termine für die Corona-Schutzimpfungen in Abstimmung mit den zuständigen Gesundheitsbehörden der Kreise und kreisfreien Städte festgelegt und die impfwilligen Schüler darüber informiert.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte zu Schuljahresbeginn Impfaktionen für Schüler im Alter ab 16 Jahren angekündigt. Landesweit sollten bis zu 50 mobile Teams an den Schulen zum Einsatz kommen. Allerdings blieb die Resonanz hinter den Erwartungen zurück. In einer landesweiten Befragung hatten laut Ministerium rund 1800 Schülerinnen und Schüler und damit etwa sechs Prozent dieser Altersgruppe ihr Interesse bekundet. Allerdings seien bis zum 20. August noch Nachmeldungen möglich, hieß es.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bislang noch keine generelle Empfehlung für das Impfen gegen das Coronavirus von Minderjährigen gegeben. Jedoch können sich 12- bis 17-Jährige nach ärztlicher Beratung und mit Zustimmung der Eltern impfen lassen, da etwa für den Impfstoff von Biontech/Pfizer und von Moderna eine EU-weite Zulassung für Menschen ab 12 Jahren besteht. Solange noch keine Stiko-Empfehlung vorliegt, will das Bildungsministerium sein Impfangebot an Schulen auf Schüler ab 16 Jahren begrenzen.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) haben im Nordosten bislang (Stand: Donnerstag) etwa 15 Prozent der Jugendlichen in der Altersgruppe 12 bis 17 mindestens eine Impfung erhalten, rund 10 Prozent auch die für den vollständigen Schutz erforderliche zweite.

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