Bauern kritisieren Regelung für Kälbertransport

04.08.2021 Kühe kalben, das Getreide muss vom Halm und Heu gemacht werden - Bauern haben derzeit viel zu tun. Trotzdem haben einige von ihnen Ministerpräsidentin Schwesig von ihren Problemen berichtet - und Verständnis geerntet.

Manuela Schwesig (SPD) bei einer Pressekonferenz. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bauern in Mecklenburg-Vorpommern haben die neue Tiertransportverordnung des Bundes bei einem Besuch von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) scharf kritisiert. «Danach müssen wir Bullenkälber jetzt doppelt so lange behalten wie bisher und haben die doppelten Kosten», sagte Landwirt Stefan Sudbrock der Regierungschefin bei ihrer «Erntebereisung» am Mittwoch in Groß Wüstenfelde (Landkreis Rostock). Die Betriebe hätten aber keine zusätzlichen Einnahmen.

Schwesig reagierte mit Verständnis: Der Nordosten habe im Bundesrat gegen diese Regelung gestimmt. «Die Bundesregierung sollte hier zu einer besseren Regelung kommen, die zum einen dem Tierwohl dient, aber auch den Landwirten hilft», sagte sie zum Abschluss der Tour.

Die Rinderhalter behalten in der Regel Kuhkälber für Zucht und Milch und geben Bullenkälber nach zwei Wochen an Mast- und Zuchtbetriebe ab. Dies wäre nun nicht mehr möglich, sagte Sudbrock, der mit seinem Vater 180 Rinder hält und 300 Hektar Felder und Wiesen bewirtschaftet. Die Verordnung sei ein Beispiel für immer größere Bürokratie. «Wir sind von dieser Verordnung völlig überrascht worden», sagte Landesbauernverbandspräsident Detlef Kurreck.

Ihm zufolge sollte die Verordnung eigentlich für Kleintierhalter gelten - vor allem für Hunde und Katzen. Ziel war, dass solche Jungtiere erst ab der fünften Woche transportiert werden, statt bisher nach zwei Wochen. Im Anhang seien dann aber plötzlich auch Nutztiere wie Kälber aufgetaucht. «Selbst die Tierärzte haben völliges Unverständnis dafür», sagte Kurreck.

Schwesig sicherte den Landwirten zu, dass sich Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) noch einmal mit der Thematik beschäftigt, um eine Lösung zu finden. Der jetzige Weg sei auch unter Experten sehr umstritten. Die Regierungschefin dankte den Landwirten ausdrücklich dafür, dass sie auch in Corona-Zeiten die Versorgung der Bevölkerung gesichert hätten. «Wir haben rund 5000 landwirtschaftliche Betriebe im Land. Wir brauchen auch in Zukunft eine starke Landwirtschaft.»

Schwesig besuchte nach den Sudbrocks, wo 1993 auch schon Bundeskanzler Helmut Kohl (1930-2017) zu Gast war, zwei Betriebe in Alt Sührkow und Dalwitz. Dort legten die Bauern auch ihre zusätzlichen Belastungen durch die neue Düngemittelverordnung dar und forderten erneut eine Überprüfung der Grundwassermessstellen, von denen einige Landwirte in betreffenden Regionen zu Unrecht beim Düngen beschränkten.

Insgesamt kommen die Bauern bei der Ernte 2021 gut voran. So ist der Raps als zweitwichtigste Frucht zu 75 Prozent abgeerntet, wie Bauernverbandspräsident Kurreck der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Mit im Schnitt 34 Dezitonnen pro Hektar ist der Ertrag gut.» Die wichtigste Frucht, der Winterweizen, sei zu 40 Prozent gedroschen. Hier liege der Durchschnittsertrag bei 73 Dezitonnen pro Hektar. Es gebe aber große Unterschiede zwischen ertragreichen Böden im Norden und Westen sowie sandigen und trockeneren Standorten im Süden und in Vorpommern.

«Die Qualität beim Weizen ist aber eher ein bisschen enttäuschend», sagte Kurreck. Auch hier habe sich die große Hitzewelle im Juni negativ bei den Körnern ausgewirkt, ähnlich wie bei der Gerste. Der Roggen sei zu 15 Prozent eingefahren, die Erbsen bereits zu einem Drittel. «Wir sind in diesem Jahr schon sehr weit vorangekommen bei der Ernte», resümierte der Verbandschef. Die Bauern profitierten von hohen Weltmarktpreisen, vor allem bei Getreide.

Einen Wermutstropfen in die aktuelle Entwicklung goss Landesagrarminister Till Backhaus. Der SPD-Politiker erklärte, dass es in Mecklenburg-Vorpommern vorerst keinen neuen Schweineschlachthof geben wird. Die Kapazität der Schweinehaltungen reiche derzeit nicht aus, um einen neuen, großen Schlachthof auszulasten. Das hätten die bisherigen Gespräche mit Betreibern gezeigt.

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