Gedenktafel für hingerichteten Arno Esch eingeweiht

23.07.2021 Arno Esch hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg öffentlich gegen das SED-Regime gestellt. Kurz nach Gründung der DDR wurde er verhaftet und anschließend in Moskau hingerichtet. Ein Hörsaal der Uni Rostock ist schon nach ihm benannt, jetzt kommt eine weitere Ehrung dazu.

Nach der Einweihung einer Gedenktafel für Arno Esch stecken Blumen hinter der Tafel. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zum 70. Todestag des vom Sowjetregime hingerichteten Studenten und Pazifisten Arno Esch ist am Freitag in Rostock eine Gedenktafel eingeweiht worden. Esch (1928-1951) war nach Einschätzung des Leiters der Rostocker Stasi-Unterlagen-Behörde, Volker Höffer, einer der bemerkenswertesten jungen Männer, die sich aus der Erfahrung der Nazi-Diktatur und des Zusammenbruchs 1945 heraus für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzten.

Eschs Ideale seien auch 70 Jahre nach seinem Tod immer noch die Ideale, an die sich die Menschen immer wieder erinnern sollten, betonte Höffer. Auch heute gebe es Gefährdungen der Demokratie, etwa durch Sympathien mit Diktaturen. Es gelte weiter, Kriegsgefahren zu bannen und ein friedliches, demokratisches Europa zu beleben.

Die Tafel wurde an dem Haus in der Lagerstraße angebracht, in dem Esch als Jurastudent von 1946 bis 1949 lebte. Der Text schildert in Deutsch und Englisch sein Leben und Wirken. Eschs bereits in jungen Jahren verfasste Reden, Beiträge und Zeitungsartikel hätten deutlich gemacht, dass er seine Haltung gelebt hat, betonte der Historiker und Initiator der Gedenktafel, Höffer. Er sei ein hohes Risiko eingegangen und habe dafür die härtesten Konsequenzen tragen zu müssen.

Gedenktage hätten den Zweck, daran zu erinnern, welche Aufgabe die zu Ehrenden hinterlassen haben, hob Universitätsrektor Wolfgang Schareck hervor. Er zog den Vergleich zur Gesundheit: «Sind wir gesund, merken wir eigentlich gar nicht, dass wir gesund sind. In dem Moment, in dem wir krank sind, merken wir den Wert der Gesundheit. So ist es mit der Freiheit.»

Bei Gründung der DDR 1949 sei Esch von der Sowjetunion und den neuen SED-Herrschern als einer der Hauptfeinde definiert worden, erinnerte Höffer. Er kam in Schwerin ins Gefängnis, wurde verurteilt und nach Moskau gebracht. Dort wurde er am 24. Juli 1951 erschossen. Erst Anfang der 90er Jahre wurde Esch vom Obersten Gerichtshof der Sowjetunion rehabilitiert und die Hinrichtung für Unrecht erklärt.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Empfehlungen der Redaktion

Regional rheinland pfalz & saarland

News Regional Rheinland-Pfalz & Saarland: Historiker Wolfgang Leonhard wäre 100 Jahre alt geworden

Inland

17. Juni 1953: Erinnerung an DDR-Aufstand vor 68 Jahren

Regional berlin & brandenburg

News Regional Berlin & Brandenburg: Historiker beleuchten Flughafenareal Schönefeld zur NS-Zeit

Ausland

Rede an die Nation: Putin warnt Westen vor Überschreiten der «roten Linie»