Mehr Hinweise von Kinderschutz-Hotline gehen an Jugendämter

19.07.2021 Seit 2008 gibt es die Kinderschutz-Hotline des Landes. Wenn unverzüglicher Handlungsbedarf besteht, werden die Jugendämter informiert. Dies war bereits häufig der Fall in diesem Jahr.

Ein Mädchen hält in Schwerin einen Telefonhörer vor einer Informationstafel der Kinderschutz-Hotline. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im ersten Halbjahr des Jahres sind deutlich mehr Hinweise von der Kinderschutz-Hotline des Landes an die Jugendämter weitergegeben worden als noch im Vorjahreszeitraum. Von Januar bis Juni waren es 181 Hinweise, wie das Sozialministerium in Schwerin auf Anfrage mitteilte. Das waren demnach 51 mehr als noch im selben Zeitraum 2020. Im ersten Halbjahr 2019 waren es laut Ministerium noch 120 Informationen, die an die Jugendämter weitergegeben worden sind.

«Es ist in diesen Monaten besonders wichtig, achtsam zu sein oder sich nicht zu scheuen, Hilfen in Anspruch zu nehmen, wenn man sich im oft schwierigen familiären Alltag überfordert fühlt. Die Kinderschutzhotline ist dafür ein guter Anlaufpunkt», sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD).

Hauptthemen der bisherigen Anrufe in diesem Jahr waren den Angaben zufolge Vernachlässigung oder unverschuldetes Versagen der Eltern, etwa durch eine Krankheit. Ebenfalls gingen Anrufe über körperliche Misshandlung ein.

«Geschlossene Bildungs-, Betreuungs- und Freizeiteinrichtungen, Homeschooling, Kontaktbeschränkungen und Homeoffice sind seit Monaten Alltag von Familien und verlangen sowohl Eltern als auch Kindern und Jugendlichen viel ab», teilte der Landesverband des Kinderschutzbundes auf Anfrage mit. Der Alltag zwischen Lockerungen und Beschränkungen in der Corona-Pandemie sei für Kinder teils schwer zu verstehen und für Eltern langfristig schlecht planbar. Der Corona-Lockdown habe die Bereiche Bildung und soziale Teilhabe in besonderer Weise beschränkt.

«Es gibt natürlich Kinder und Jugendliche, die den Lockdown, die Einschränkungen von Unterstützungssystemen und Bildung sowie das Zurückgeworfensein auf die Familie besonders dramatisch erleben mussten», hieß es vom Verband. Die Bandbreite erstrecke sich von massiver Bildungsungerechtigkeit bis zu Fällen gesteigerter häuslicher Gewalt.

Es zeige sich an konkreten Zahlen, dass Kinder Hauptleidtragende der Corona-Krise sind und waren, sagte die kinderpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jacqueline Bernhardt, am Montag laut Mitteilung. «Auf diesen Missstand weist meine Fraktion seit langem hin und hat entsprechend die Durchführung eines Kindergipfels durch die Landesregierung gefordert. Hier hätten sich Vertreterinnen und Vertreter von Kinder-, Jugend-, Eltern- und Schülervertretungen frühzeitig mit den Problemen von Kindern und Familien befassen können und müssen», kritisierte die Oppositionspolitikerin.

Die Kinderschutz-Hotline ist beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) angesiedelt und rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0800 1414007 erreichbar.

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