Prozess um Kokain-Bande: Landgericht will BKA-Beamte hören

19.07.2021 Im Prozess wegen bandenmäßigen Drogenhandels am Landgericht Neubrandenburg wird die Kammer auch Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) anhören. Das kündigte Richter Klaus Kabisch am Montag bei der Verhandlung in Neubrandenburg an. Die BKA-Beamten sollen Auskunft über die Sichtung der sogenannten Encrochat-Daten geben, die Deutschland 2020 aus einer aufsehenerregenden Datenabfangaktion französischer Ermittler bekommen hatte und die auf die Spur der drei Angeklagten führten. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 59 Jahre und dem 39 Jahre alten Angeklagten vor, von April bis November 2020 größere Mengen an Rauschgift in präparierten Autos aus den Niederlanden geholt und damit gehandelt zu haben. (Az.: 23 KLs 7/21).

Handschellen sind an einem Gürtel eines Justizvollzugsbeamten befestigt. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die BKA-Mitarbeiter sollen außerdem zu speziellen Mobiltelefonen (Diamond Secure) befragt werden, die sich Kriminelle nach dem Auffliegen des Encrochat-Systems und den dann auslesbaren Kryptohandys zugelegt haben, wie der Richter erläuterte. Eine Ermittlerin des Landeskriminalamtes MV hatte zuvor erläutert, wie man den Angeklagten 2020 auf die Spur gekommen war. Alle drei hätten sich damals in dem als «abhörsicher» geltenden französischen Netz so sicher gefühlt, dass sie immer wieder über private Dinge wie Kinder und ihre Aufenthaltsorte gechattet hätten.

Das Trio um einen 59-jährigen Hauptangeklagten aus einem Dorf bei Stavenhagen war im Herbst 2020 vom Landeskriminalamt gefasst und in U-Haft genommen worden. Sie Angeklagten sollen anfangs immer ein Kilo Kokain pro Fahrt transportiert haben, wollten mit einem neu präparierten Auto dann aber immer 14 Kilogramm Kokain holen. Nach der Festnahme waren in dem neu präparierten Auto-Versteck in einer Türschwelle zwei Kilogramm Kokain gefunden worden. Dessen Wert wurde auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt.

Der Prozess wird am 26. Juli fortgesetzt. Die Beweisaufnahme ist laut Anklage aufwendig, da die Angeklagten bisher schweigen. Mit einem Urteil wird derzeit frühestens im Herbst gerechnet.

Aufgrund der Encrochat-Daten sind in der EU bisher mehr als 1800 mutmaßliche Drogenhändler und andere Tatverdächtige aufgeflogen. In Deutschland laufen in mehreren Bundesländern Prozesse dazu.

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