Kreise erweitern flexibles Rufbussystem über Kreisgrenzen

15.07.2021 Wo kaum noch ein Bus fährt, müssen Eltern oft Taxi spielen oder es siedelt sich kaum jemand an. Doch Wohnen im Grünen liegt im Trend. Im Südosten Mecklenburgs und in Vorpommern wird nun ein flexibles Bussystem erweitert, um Nachteile für Nicht-Autofahrer auszugleichen.

Michael Sack, Landesvorsitzender der CDU Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Frank Hormann/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das flexible Rufbus-System ILSE wird im Osten Mecklenburg-Vorpommerns deutlich ausgedehnt und kann erstmals auch über Kreisgrenzen hinweg genutzt werden. Das haben die Verkehrsgesellschaften der Landkreise Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte vereinbart, wie Landrat Michael Sack (CDU) am Donnerstag in Strasburg erklärte. Die erste Erweiterung startet ab 1. August, eine zweite Erweiterung ab Januar 2022.

«Rufbusse bedienen die Bedürfnisse der Bewohner in den dünn besiedelten Regionen viel passgenauer als andere Systeme», sagte Sack. Sie gehörten zur vorgeschriebenen Daseinsvorsorge der öffentlichen Hand. «Adressaten sind vor allem Ältere, die nicht mehr allein mobil sind, und Jüngere, die noch nicht allein mobil sind», erklärte Sack. Zu oft müssten «Eltern Taxi spielen». Das flexible Busprojekt sei ein Vorbild für ländliche Regionen in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Die insgesamt neun Kleinbusse, Transporter und Autos - bei Bedarf auch barrierefrei - fahren derzeit zwischen Loitz und Jarmen. Dies wird erweitert auf die Regionen Strasburg, Torgelow bis Pasewalk sowie Woldegk, Friedland, Dargun und Demmin (Mecklenburgische Seenplatte). Ab 2022 kommen dann noch weitere Seenplatte-Ämter rund um Neubrandenburg, Altentreptow und Burg Stargard hinzu.

Die dortigen Dörfer und Kleinstädte gehören zu den Regionen mit der geringsten Einwohnerdichte in Deutschland. «Wir haben das seit vier Jahren in Vorpommern-Greifswald erprobte ILSE-System kopiert», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der MVVG-Busgesellschaft an der Seenplatte, Stephan Bunge. Wenn man die Menschen in den Regionen halten will, müsse man modernen Nahverkehr ermöglichen.

Wer die Busse, Transporter und Autos nutzen will, kann das zwischen 7 und 17 Uhr. Er müsse sich bis zu einer Stunde vorher bei den Verkehrsgesellschaften melden. «Wir haben schon lange neidisch nach Loitz geschaut», sagte die Strasburger Bürgermeisterin Heike Hammermeister-Friese (CDU). Vor allem für Ältere, die nach Strasburg zum Arzt oder für Besorgungen wollten, sei ein Rufbus eine gute Alternative.

Über eine gemeinsame Plattform werde der am nächsten vorhandene Rufbus aktiviert, der bis zur gewünschte Haltestelle fährt. «Gegen einen kleinen Aufpreis wird der Fahrgast samt Gepäsck auch nach Hause gefahren», sagte ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald. Die Rufbusse sollten auch Zubringer für andere Nahverkehrsangebote sein. Der Fahrpreis liege knapp über den üblichen Nahverkehrspreisen, aber deutlich unter Taxi-Preisen.

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