Eschensterben: «Plusbäume» sind Hoffnungsträger

07.06.2021 Die Esche wird von einem aus Asien eingeschleppten Pilz bedroht. Einzelne Bäume erweisen sich jedoch als widerstandsfähig. Sie dienen jetzt als «Mütter» für eine neue Generation von Eschen, mit denen die Verluste ausgeglichen werden sollen.

Blick in den sogenannten "Gespensterwald" in Nienhagen. Foto: Danny Gohlke/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Kampf gegen das europaweite Eschensterben keimt Hoffnung. Nachdem Forscher herausgefunden haben, dass etwa ein Prozent aller Eschen gegen den als Ursache geltenden Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus (Falsches Weißes Stengelbecherchen) zumindest teilweise resistent sind, werden Nachfahren solcher «Plusbäume» jetzt auf Forschungsplantagen kultiviert. Sie sollen einmal Samen liefern, mit denen abgestorbene Eschen-Standorte wieder aufgeforstet werden. Der Pilz ist Forschern zufolge vor etwa 30 Jahren aus Ostasien nach Europa eingeschleppt worden.

Versuche, widerstandsfähige Bäume zu ziehen, laufen in mehreren Bundesländern. In Mecklenburg-Vorpommern, wo die Esche laut Forstbericht des Landes auf mehr als der Hälfte ihrer Anbaufläche von 16 000 Hektar krankheitsbedingt ausgefallen ist, ruhen die Hoffnungen auf zwei Plantagen. Nahe Tressow (Nordwestmecklenburg) wurden vor zwei Jahren erste Reiser von augenscheinlich widerstandsfähigen Bäumen genommen und gepflanzt. Rund 700 Propflinge von 60 «Plusbäumen» kamen in den Boden, wie der Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow bei Güstrow (Landkreis Rostock), Andreas Schütte, berichtet. Sie seien gut angewachsen.

Doch bis sie Nutzen bringen, dauert es noch Jahre. «Sie bilden den Grundstock für eine Samenplantage, aus der in etwa zehn Jahren hochwertiges Saatgut für die Wiederbewaldung geschädigter Flächen gewonnen werden soll.» Weitere Pfropflinge wurden laut Schütte im Frühjahr 2020 und 2021 gesetzt, so dass jetzt insgesamt 1159 kleine Eschen von 126 «Plusbäumen» auf der Versuchsplantage bei Tressow wachsen. Ihre Gesundheit wird permanent von Wissenschaftlern überwacht.

Noch mehr Geduld ist auf der zweiten Plantage im Forstamt Schuenhagen (Landkreis Vorpommern-Rügen) gefragt. Auf der etwa drei Hektar großen Fläche mit bestem Ackerboden sind in diesem März rund 11 000 kleine Eschen aus den Samen von 64 ausgewählten «Plusbäumen» gepflanzt worden. Schütte rechnet damit, dass der Samen dieser Bäume, wenn sie denn gesund bleiben, frühestens nach 25 Jahren erstmals geerntet werden kann.

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