Linke fordert Entschädigung für Familie von NSU-Opfer Turgut

02.06.2021 Die Familie des NSU-Mordopfers Mehmet Turgut sollte aus Sicht der Linken eine finanzielle Entschädigung vom Land Mecklenburg-Vorpommern bekommen. Dies sei neben einer Entschuldigung für die Zumutungen der pannenbehafteten Ermittlungen angebracht, sagte der innenpolitische Sprecher der oppositionellen Linken im Schweriner Landtag, Peter Ritter, am Mittwoch.

Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher Links-Fraktion im Schweriner Landtag. Foto: Christian Charisius/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

So hätten die Behörden fälschlicherweise schon wenige Tage nach dem Mord an Turgut in Rostock durch den rechtsterroristischen NSU einen ausländerfeindlichen Hintergrund ausgeschlossen. Die Mordermittlungen seien nicht mit dem erforderlichen Nachdruck und der erforderlichen Offenheit in alle Richtungen geführt worden. Turgut war 2004 an einem Dönerstand erschossen worden, in dem er aushalf.

Vor drei Jahren hat der Landtag einen Untersuchungsausschuss zu den Taten des NSU in Mecklenburg-Vorpommern und zu den Versäumnissen der Ermittlungsbehörden eingesetzt. Neben dem Mord in Rostock gehen zwei Sparkassenüberfälle in Stralsund auf das Konto des Trios. Der Ausschuss legt nächste Woche dem Landtag seinen Bericht vor.

Ritter hält es für möglich, dass der Ausschuss auch danach noch Zeugen anhören wird. Der Ausschuss bestehe bis zur Konstituierung des neuen Landtags, der am 26. September gewählt wird, sagte Ritter. Er habe bereits die Vernehmung eines Zeugen beantragt, der bislang krank gewesen sei. Noch immer gingen Akten beim Ausschuss ein und möglicherweise ergäben sich daraus auch noch Zeugenbefragungen.

Es gibt Anzeichen dafür, dass der Untersuchungsausschuss nach der Landtagswahl neu aufgelegt wird. Dies wünscht neben der Linken auch die SPD. Die CDU ist in dem Punkt zurückhaltend. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss muss eingesetzt werden, wenn 25 Prozent der Mitglieder des Landtags dies wollen.

Viele Fragen seien noch offen, sagte Ritter. So sei das Umfeld des Mordes an Turgut bis heute nicht geklärt. «Warum wurde Rostock als Tatort gewählt, wer lieferte die Informationen zu diesem Dönerstand?» Es sei naiv anzunehmen, dass die Täter zufällig dort vorbeikamen und Mehmet Turgut erschossen. Zu fragen sei auch nach zwei Konzerten der später verbotenen rechtsextremen Organisation Blood and Honour Sachsen in MV kurz nach dem Abtauchen des NSU-Trios im Jahr 1998. «Wurden da vielleicht Spenden für den NSU gesammelt?», fragte Ritter. Mögliche Unterstützernetzwerke seien bislang nicht ausgeleuchtet worden.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News