Schwesig gratuliert Hansa zum Aufstieg: Kritik an Randalen

25.05.2021 Nach vielen vergeblichen Anläufen hat Hansa Rostock den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Doch in die Euphorie über den sportlichen Erfolg mischen sich zahlreiche kritische Töne.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hält ein Trikot des Fußballvereins FC Hansa Rostock mit ihrem Namen und der Rückennummer 1. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat die Fußballer des FC Hansa Rostock zum Aufstieg in die 2. Bundesliga beglückwünscht. «Viele, viele Fans in Mecklenburg-Vorpommern haben dem seit über neun Jahren entgegengefiebert», sagte sie am Dienstag bei einem Treffen mit einer Hansa-Abordnung vor der Staatskanzlei in Schwerin. Mit dem Aufstieg habe sich die Treue der Fans zu ihrem Verein auch über schwierige Jahre hinweg nun bezahlt gemacht.

Kein Verständnis zeigte Schwesig hingegen für die Ausschreitungen nach dem letzten Drittliga-Spieltag am Wochenende in Rostock. Mannschaft, Verein und auch die Landesregierung seien «echt enttäuscht», dass es immer wieder Leute gebe, die Fußballspiele als Anlass für Randale missbrauchten. «Das hat beim Fußball, beim Sport null zu suchen. Wir alle freuen uns auf viel Kampf auf dem Platz, aber natürlich auch auf friedliche Zuschauer. Da müssen alle zusammenarbeiten, dass das dann in der zweiten Liga gut funktioniert», betonte Schwesig, die von den Spielern ein Ehrentrikot mit der Rückennummer 1 erhielt.

Der FC Hansa war am Samstag durch ein 1:1 gegen den VfB Lübeck in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Die Rostocker durften die Partie unter strengen Hygieneauflagen vor 7500 Zuschauern bestreiten. Für diese Ausnahmegenehmigung dankten Kapitän Markus Kolke und Hansa-Vorstandschef Robert Marien der Landesregierung. «Wir hatten die meisten Zuschauer in ganz Deutschland im Stadion. Das war keine Selbstverständlichkeit und ein großes Privileg», betonte Marien. Auch er verurteilte die Fan-Ausschreitungen nach dem Spiel: «Das war der letzte Scheiß. Dafür entschuldigen wir uns auch.»

In der Nacht zum Sonntag hatten Hansa-Anhänger in der Rostocker Innenstadt Barrikaden aus Mülltonnen errichtet und angezündet. Wie die Polizei weiter berichtete, waren dabei Beamte und Feuerwehrleute mit Pyrotechnik und Flaschenwürfen angegriffen worden. Es werde unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt.

Nach Ansicht des Rostocker Infektiologen Emil Reisinger werden auch die weitgehend friedlichen Aufstiegsfeiern nicht ohne Folgen bleiben: Er rechnet mit einer steigenden Zahl von Neuinfektionen. Grund dafür sei der enge Körperkontakt von vielen Tausend Menschen, bei denen die Träger von Schutzmasken die absolute Minderheit darstellten, sagte Reisinger der Deutschen Presse-Agentur. Zudem dürften die meisten dieser Fans wegen ihres Alters noch nicht geimpft sein.

Zu dem Spiel am Samstag waren ursprünglich 7500 registrierte Zuschauer zugelassen, die einen negativen Corona-Test vorlegen und auch die sogenannten AHA-Regeln einhalten mussten. Gegen Ende hatten dann jedoch mehrere Tausend Fans das Stadion und die Südtribüne gestürmt. Aufgrund einer zuvor festgelegten Deeskalationstaktik griff die Polizei nicht ein, wie der Rostocker Polizeichef Achim Segebarth am Sonntag sagte.

Auch beim Fanmarsch und dem Aufstiegsfest auf dem Neuen Markt mit laut Polizeiangaben 6000 Menschen wurden jegliche Corona-Regeln missachtet. Reisinger bezeichnete diese Art eines Festes als «eine hoffentlich einmalige Outlaw-Veranstaltung».

Die Rostocker Landtagsabgeordnete und Stadtvertreterin, Eva-Maria Kröger, äußerte sich ebenfalls kritisch zu den massiven Verstößen gegen die Corona-Schutzregeln und bezog auch Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen in ihre Kritik mit ein. «Ihr Verhalten hat massiv dazu beigetragen, dass Tausende Fans vor das Rathaus zogen und dabei jede Corona-Schutzregel verletzt wurde», schrieb die Linken-Politikerin in einem offenen Brief.

Als Oberbürgermeister habe Madsen eine Vorbildfunktion, müsse konsequent Maske tragen und Abstände wahren. Stattdessen sei aber auf Fotos zu sehen, wie er feiert, tanzt und Menschen umarmt. Das sei emotional nachvollziehbar, doch müsse sich gerade Madsen als Chef der Verwaltung an Regeln halten. «Sie vertreten die öffentliche Hand und die Regeln, die sie macht. Deshalb hätten Sie auf das Bad in der Menge verzichten müssen», betonte Kröger.

Claus Ruhe Madsen selbst entgegnete auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, nach einem schweren Spiel sei der geglückte Aufstieg eine riesige Erleichterung gewesen und der Stress der letzten Wochen und Monate wie ein Stein vom Herzen abgefallen. Er könne nur um Verständnis bitten und sich für seine leidenschaftlichen Emotionen entschuldigen. Der Verein sei für ihn das Rostocker Markenzeichen schlechthin, seit er in den 1990er Jahren nach Rostock kam.

Dass Zuschauende im Ostseestadion zugelassen wurden, war Madsens Angaben zufolge ausdrücklich an die Bedingung geknüpft, darüber hinaus keine weiteren Feiern zuzulassen, die nicht den aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen entsprechen. Der Fanmarsch durch die Stadt und das Treffen mit der Mannschaft auf dem Neuen Markt waren demnach das Ergebnis der Abwägungen der beteiligten Sicherheitskräfte. «Die Freude über den tollen Erfolg unserer Mannschaft wurde insgesamt dadurch leider getrübt», gestand Madsen ein. Die Vorgänge müssten nun mit allen Beteiligten aufgearbeitet werden.

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