Unternehmerdachverband will verbindliche Öffnungsszenarien

11.05.2021 Seit Monaten sind wichtige Wirtschaftszweige Mecklenburg-Vorpommerns lahm gelegt. Gerade die Tourismusbranche ist nach Lockerungen in anderen Bundesländern enorm unter Druck geraten.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Unternehmerdachverband Mecklenburg-Vorpommerns fordert klare Öffnungsperspektiven in der Corona-Pandemie. In einem ersten Schritt müssten die Gastronomie, weitere körpernahen Dienstleistungen sowie der Handel geöffnet werden, sagte Sven Müller, Geschäftsführer des Unternehmerdachverbandes VUMV, der Deutschen Presse-Agentur. In einem zweiten Schritt müssten dann Hotels und weitere Beherbergungsbetriebe wieder öffnen dürfen.

Die Landesregierung berät heute über Lockerungsschritte in der Corona-Pandemie. Laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) haben Schulen und Kitas oberste Priorität. «Wir haben beim MV-Gipfel vor drei Wochen beschlossen, dass wir Schulen und Kitas als erstes wieder öffnen, wenn wir stabil unter 100 sind», sagte die Regierungschefin am Montag. Zudem soll dem Tourismus mehr Planungssicherheit gegeben werden, wann wieder Übernachtungsgäste nach MV kommen dürfen. «Das heißt nicht, dass wir alles sofort öffnen können. Wir alle wissen, dass wir bei den Lockerungen nur Schritt für Schritt vorgehen können», erläuterte Schwesig.

Im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein wurden wegen der niedrigeren Sieben-Tage-Inzidenz bereits Lockerungen für den Tourismus angekündigt, die inzwischen teilweise greifen. Branchenvertreter befürchten, dass die Urlauber vermehrt nach Schleswig-Holstein fahren und nicht nach MV.

Der Landestourismusverband forderte vor den Beratungen ebenfalls ein klares Datum für den Start in die Tourismussaison. «Mecklenburg-Vorpommern hat in den vergangenen Tagen Boden verloren», sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Tobias Woitendorf. Der Verband hat ein Stufenmodell erarbeitet und schlägt die Wiederaufnahme des Tourismus in zwei Schritten vor. Zunächst sollen demnach Menschen nach MV reisen dürfen, die aus einem Landkreis mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 kommen und einen negativen Corona-Test vorweisen können. Geimpfte und Genesene sollen laut dem Modell ebenfalls mit einem entsprechenden Nachweis im Nordosten Urlaub machen können.

Als möglichen Startzeitpunkt nannte Woitendorf den 23. Mai - die gültige Corona-Landesverordnung ist bis zum 22. Mai datiert. In einem zweiten Schritt sollen dann - spätestens zu Beginn der Schulsommerferien - auch Menschen aus Gebieten in den Nordosten kommen dürfen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche liegt.

Laut Bundesinfektionsschutzgesetz dürfen in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner keine Touristen empfangen werden. Dort heißt es: «Die Zurverfügungstellung von Übernachtungsangeboten zu touristischen Zwecken ist untersagt». Diesen Wert haben nach jüngsten Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) drei der sechs Landkreise in MV noch nicht unterschritten.

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