Sanierte Dokumentations- und Gedenkstätte eingeweiht

10.05.2021 Mitten in Rostock, aber von außen unsichtbar, betrieb die Stasi der ehemaligen DDR eine brutale Haftanstalt. Eine Dokumentations- und Gedenkstätte in dem Gebäude ist nach umfangreicher Sanierung übergeben worden.

Die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Rostock. Foto: Bernd Wüstneck/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Methoden des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR können nun wieder in der Rostocker Dokumentations- und Gedenkstätte umfassend gezeigt werden. Nach mehrjähriger Sanierung wurde das Gebäude am Montag an den Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, übergeben. Nach Angaben des Finanziministeriums musste der denkmalgeschützte Komplex grundsaniert werden. Dabei sollten die verschiedenen Epochen der Nutzung, insbesondere im Haftbereich, erhalten bleiben. Land und Bund teilten sich die Sanierungskosten von rund vier Millionen Euro.

Bei der Sanierung sollte der Zustand des Erstbezuges den Angaben zufolge ausdrücklich nicht wiederhergestellt werden. Ziel sei es vielmehr gewesen, ein authentisches und durch Befunde belegbares Erscheinungsbild anzustreben. Viele Alterserscheinungen, Verschmutzungen und leichte Schäden seien daher akzeptiert und beibehalten worden, sagte Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) bei der Übergabe. «Auch wenn sich oberflächlich nicht viel verändert zu haben scheint, so sind die Auswirkungen doch immens. Wir haben dieses Gebäude konserviert und erhalten es damit für nachfolgende Generationen als einen Ort des authentischen Erinnerns.»

Wie Landeszentralen-Direktor Schmidt ankündigte, ist eine Eröffnungsveranstaltung der Dokumentations- und Gedenkstätte am
2. Juli geplant. Danach werde die Gedenkstättenarbeit fortgeführt, die bis zum Beginn der Sanierung durch die Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen geleistet wurde, sagte Schmidt. «Die Auseinandersetzung mit der Geschichte politischer Verfolgung in der DDR wird dabei weiter im Mittelpunkt der Bildungs- und Vermittlungsarbeit stehen.»

Der Gebäudeabschnitt der heutigen Dokumentations- und Gedenkstätte wurde Ende der 1950er Jahre errichtet und diente der Stasi als Untersuchungshaftanstalt. Nicht einsehbar für Außenstehende, befand sie sich auf dem Gelände der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). 1960 kamen die ersten Häftlinge. Bis 1989 inhaftierte die Staatssicherheit dort rund 4900 Frauen und Männer aus überwiegend politischen Gründen.

Dazu gehörten zum Beispiel die Straftatbestände «Hetze», «staatsfeindliche Verbindungsaufnahme» und in zunehmendem Maße «versuchte Republikflucht». Die Untersuchungshaftanstalt des MfS verfügte über rund 50 Zellen auf drei Etagen. Die Inhaftierten mussten im Durchschnitt fünf bis sechs Monate Untersuchungshaft mit ständigen Verhören und unter starker Isolation über sich ergehen lassen, bis sie durch ein Gericht formal abgeurteilt und in eine Strafvollzugseinrichtung verlegt wurden.

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