Tourismusverband: Saison nicht durch Frühstart gefährden

24.04.2021 Knapp 20 Prozent weniger Übernachtungen musste die erfolgsverwöhnte Urlaubsbranche im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie hinnehmen. Nun stellt sich die Frage: Wie sieht die Saison 2021 aus - und wann beginnt sie?

Sommertouristen auf der Insel Rügen. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der 19. Juni markiert für den Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, den spätestmöglichen Starttermin für die Urlaubssaison 2021. An diesem Wochenende beginnen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein die Sommerferien, wenige Tage später folgen Berlin, Brandenburg und Hamburg. Angesichts der weiter hohen Sieben-Tage-Inzidenzen von rund 140 im Land und 160 bundesweit sollten die Hoffnungen auf einen Saisonstart bereits zu Pfingsten nicht zu groß werden, sagte Woitendorf der dpa.

Die Corona-Landesverordnung ist bis zum 22. Mai gültig. Wie Regierungssprecher Andreas Timm sagte, wird sich der MV-Gipfel Anfang/Mitte Mai die Infektionszahlen anschauen und die Lage bewerten.

Es gibt laut Woitendorf zwar Berechnungen, nach denen bereits zu Pfingsten die Inzidenzen landesweit bis auf rund 50 gesenkt werden können, womit eine Lösung wie 2020 möglich wäre. «Damals gab es an Christi Himmelfahrt die Öffnung für Einheimische und eine gute Woche später zu Pfingsten für Gäste aus anderen Bundesländern», sagte er. Die Branche sollte sich aber nicht auf diese Zeitschiene verlassen. «Wir dürfen auf keinen Fall die Sommersaison riskieren. Das ist die wichtigere Maxime», sagte Woitendorf.

Die Haltung des Tourismusverbands wird im Wesentlichen vom Dehoga-Verband in MV mitgetragen. Möglicherweise bestehe für die Gastronomie bereits zu Pfingsten Gelegenheit zur Öffnung, sagte Dehoga-Landespräsident Lars Schwarz. Für die Hotellerie hält auch er einen Start erst im Juni für realistisch.

Laut Verordnung kann die Öffnung von Außengastronomie unter Auflagen wie Corona-Tests erfolgen, wenn ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt mindestens 14 Tage nacheinander eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner aufweist.

Eine Einschätzung wie die von Kanzleramtschef Helge Braun wollte Woitendorf auf keinen Fall mittragen. Der war jüngst davon ausgegangen, dass sich die Infektionslage im Mai entspannen und Reisen ab August wieder möglich sein werden. Braun rechnete damit, dass die entlastende Wirkung durch das Impfen und durch den Beginn der warmen Jahreszeit im Mai spürbar sein wird.

Eine Gefährdung der Sommersaison hätte den Angaben nach katastrophale Folgen für die ganze Branche. Woitendorf geht jedoch davon aus, dass die Impfkampagne bis spätestens Juni deutliche Erfolge zeigt und die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern und Intensivstationen sinken. Auch die Bemühungen der Urlaubsorte beim Aufbau von Teststationen würden zur Entspannung beitragen.

So wurde in Kühlungsborn in den vergangenen Tagen eine Drive-In-Station eröffnet, wo bis zu 5000 Tests am Tag möglich sind. Diese große Kapazität ist laut Bürgermeister Rüdiger Kozian (parteilos) die Voraussetzung für eine sanfte Tourismusöffnung.

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