Schwesig: Weniger Biontech ohne Astrazeneca

20.04.2021 Noch immer liegen rund 33 000 Impfdosen von Astrazenca in Kühlschränken in Mecklenburg-Vorpommern und warten darauf, endlich gespritzt zu werden. Auch Hausärzte melden Schwierigkeiten. Sie sollen nun Impfdosen zurückgeben können.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bei einer Sitzung des Landtags. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zur Erhöhung des Impftempos in Mecklenburg-Vorpommern verstärkt die Regierung den Druck auf die Landkreise und kreisfreien Städte. Wer bis Ende dieser Woche seinen Überhang an Astrazeneca-Impfstoff nicht gespritzt habe, bekomme danach entsprechend weniger Biontech geliefert, kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung an.

Nach Angaben von Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) liegen in den kommunalen Impfzentren noch rund 3000 Astrazeneca-Impfdosen aus bisherigen Lieferungen. Vor zwei Wochen waren es noch rund 53 000 gewesen. Mit mehreren Sonder-Aktionen gelang es, den Berg weitgehend abzutragen. So schaffte es das Land, sich vom letzten Platz im Vergleich der Bundesländer auf den siebtletzten Platz vorzuarbeiten.

Aktuell sind Glawe zufolge rund 20 Prozent der Menschen im Land gegen Covid-19 geimpft. Rund 321 000 Menschen seien bislang geimpft worden, davon hätten 100 000 Menschen beide Spritzen bekommen und damit den vollen Schutz. Glawe appellierte, einen vereinbarten Impftermin im Impfzentrum abzusagen, wenn man ihn nicht wahrnehmen könne oder wolle. Dann könnten andere Interessenten nachrücken.

Unterdessen melden die Arztpraxen Schwierigkeiten mit der schnellen Gabe des Astrazeneca-Impfstoffs an ihre Patienten. Dort liegen laut Landesregierung aktuell rund 30 000 Impfdosen. Einerseits erschwere das sinkende Vertrauen in das Präparat bei vielen Patienten ein schnelles Impfen in den Praxen, erklärte die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag. Andererseits habe das Gesundheitsministerium auf einer Mindestbestellmenge von 100 Dosen je Arzt bestanden.

«Die Kassenärztliche Vereinigung MV hatte empfohlen, möglichst kleine Mengen je Arzt abzugeben, zum Beispiel 10 bis 20 Dosen, um einerseits vielen Ärzten kurzfristig den Zugang zu diesem Impfstoff zu ermöglichen und anderseits eine schnelle Verimpfung zu fördern.» Dieser Vorschlag sei jedoch aufgrund arzneimittelrechtlicher Bedenken durch das Gesundheitsministerium Mecklenburg-Vorpommern abgelehnt worden. «Wir können diese Bedenken nicht verstehen, da zum gleichen Zeitpunkt der Impfstoff von Biontech bereits in einzelnen Fläschchen mit jeweils sechs Dosen an Ärzte durch Apotheken ausgeliefert wurde.»

Mit der Kassenärztlichen Vereinigung wurde Schwesig zufolge jetzt vereinbart, dass Ärzte, die ihre Astrazeneca-Dosen nicht komplett impfen können, den Rest zurückgeben können. Diese Dosen sollen dann anderen Arztpraxen oder den kommunalen Impfzentren zur Verfügung gestellt werden. In den Praxen wurden der Kassenärztlichen Vereinigung zufolge seit Beginn der Impfungen in der Woche nach Ostern rund 65 000 Spritzen gegen Covid-19 verabreicht, davon rund 15 000 mit dem Präparat von Astrazeneca.

«Wir brauchen mehr Impfstoff von Biontech», sagte Schwesig an die Adresse des Bundes. Außerdem forderte sie, die im Rahmen einer Solidaritätsaktion dem Saarland abgetretenen Impfdosen den Ländern wieder zur Verfügung zu stellen, nachdem das Saarland weitreichende Öffnungen vorgenommen habe. Gesundheitsminister Glawe rechnet unterdessen mit der Lieferung von 500 000 Impfdosen nach MV im Juni. Das meiste davon werde Biontech und Moderna sein, sagte er. Astrazeneca werde dann zurückgefahren und nur noch für Zweitimpfungen geliefert.

Wann die Impfreihenfolge in MV aufgegeben werde, sei noch offen, so Glawe weiter. Aktuell könnten alle über 60-Jährigen eine Covid-Spritze bekommen. Bei bestimmten Berufsgruppen, wie Lehrern, würden auch schon Jüngere geimpft.

Die Linke forderte, den angekündigten zentralen Impfmanager des Landes noch in dieser Woche einzusetzen. «Es kann und darf nicht sein, dass am Ende des Tages Impfdosen weggeworfen werden müssen, weil Personen, die angemeldet waren, nicht zum Termin erscheinen», erklärte sie. Außerdem müsse darüber nachgedacht werden, ob die Priorisierung beim Impfen zumindest etwa an zwei Tagen in der Woche oder ein bis zwei Stunden vor der Schließung der Impfzentren aufgehoben werden könne.

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