Regierung drängt Kreise und Städte zu schnellerem Impfen

09.04.2021 Zum Start der Corona-Schutzimpfungen galt Mecklenburg-Vorpommern als Impfprimus. Nun hinkt das Land hinterher, auch weil in den Kreisen und kreisfreien Städten mit sehr unterschiedlichem Tempo geimpft wurde. Nun macht die Landesregierung den Säumigen Beine.

Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Landesregierung in Schwerin erhöht den Druck auf Landkreise und kreisfreie Städte, den Astrazeneca-Impfstoff unverzüglich einzusetzen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) setzte am Freitag nach einem weiteren Impfgipfel eine Frist bis zum 18. April, um die landesweit noch vorhandenen 53 000 Impfdosen dieses Präparats zu verabreichen. «Wir haben Impfstoff. Und die Bevölkerung hat ein Recht darauf, dass dieser Impfstoff zügig verimpft wird», sagte Schwesig.

Sie rief dazu auf, die Impffrequenz zu erhöhen, unter anderem durch Sonderaktionen für Menschen ab 60 Jahre, die dann auch ohne Anmeldung eine Spritze mit Astrazeneca erhalten sollen. Als beispielgebend nannte Schwesig Nordwestmecklenburg, wo es nach Ostermontag in Wismar am Freitag in Grevesmühlen einen weiteren Impftag ohne Terminvergabe gab. Ähnliche Aktionen sind für Samstag in Impfzentren der Landkreise Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald geplant.

Impfstoff, der nicht bis zum 18. April eingesetzt wurde, soll dann in anderen Kreisen und Städten verwendet werden. Während in Schwerin aktuell nur noch 660 und in Vorpommern-Rügen lediglich 350 Impfdosen ungenutzt seien, seien es in Rostock noch 5770, in Vorpommern-Greifswald 3980 und in Ludwigslust-Parchim 2560, teilte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) mit.

Nach seinen Angaben sind fortan alle Landkreise und kreisfreien Städte verpflichtet, Impftermine für vier Wochen frei zu geben. Dies sei zum Teil bislang nur für eine Woche erfolgt, was mit zu den Impfverzögerungen beigetragen habe. Glawe kündigte an, die Impfhotline, an der es wegen langer Wartezeiten massive Kritik gegeben hatte, personell auf 300 Mitarbeiter aufzustocken.

Ein Großteil des Astrazeneca-Impfstoffs solle zudem durch die Hausärzte verabreicht werden, die seit Mittwoch flächendeckend in die Impfkampagne einbezogen sind. Diese vereinbaren die Impftermine mit ihren Patienten in eigener Regie. Doch ist auch dort der prinzipielle Mangel an Präparaten der limitierende Faktor. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung reichen die bislang angekündigten Impfstoffmengen nicht annähernd aus, um zeitnah wenigstens alle chronisch kranken Patienten zu impfen.

Laut Glawe erhielt Mecklenburg-Vorpommern bislang 374 000 Impfdosen verschiedener Hersteller, von denen insgesamt knapp 300 000 verabreicht wurden. Um die angestrebte Impfquote von etwa 70 Prozent zu erreichen, müssen im Land für Erst- und Zweitimpfungen zusammen 2,2 Millionen Dosen verabreicht werden.

Schwesig appellierte angesichts der erneut gestiegenen Corona-Infektionszahlen an die Bevölkerung, die Schutzvorschriften streng einzuhalten. «Die Infektionszahlen sind nach wie vor zu hoch», sagte die Regierungschefin. In den Beratungen am Freitag hätten die Wissenschaftler Alarm geschlagen und darauf verwiesen, dass die Situation auf den Intensivstationen auch im Nordosten angespannt und das Pflegepersonal stark belastet sei. «Es ist deshalb wichtig, dass wir uns alle an die Regeln halten und insbesondere die Kontakte im privaten Bereich einschränken. Wir müssen die Zahlen gemeinsam runter bekommen», mahnte Schwesig.

Die Zahl der Corona-Infektionen war am Freitag nach oben geschnellt. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) berichtete, wurde mit 565 Neuinfektionen ein neuer Höchstwert registriert. Das Landesamt meldete zudem vier Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, so dass die Gesamtzahl der Verstorbenen in der Pandemie auf 900 stieg. Die Inzidenz stieg landesweit um 15 auf 110 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Mit 181,7 war der Wert im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte am höchsten.

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