Weniger Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern

30.03.2021 Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf das Kriminalitätsgeschehen in Mecklenburg-Vorpommern. Homeoffice und Homeschooling schreckten Einbrecher offenbar ab. Doch das Verweilen in den eigenen vier Wänden hatte auch Schattenseiten.

Ein Blaulicht leuchtet auf einem Polizeifahrzeug. Foto: Armin Weigel/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Mecklenburg-Vorpommern hat es im vergangenen Jahr weniger Straftaten gegeben. Wie Innenminister Torsten Renz (CDU) am Dienstag in Schwerin bei der Vorlage der Kriminalitätsstatistik für 2020 mitteilte, registrierte die Polizei 105 932 Delikte. Das sind knapp fünf Prozent weniger als 2019, als erstmals nach Jahren die Fallzahlen wieder leicht gestiegen waren. «Wir können feststellen, dass wir uns im Bereich Sicherheit auf gutem Niveau bewegen», sagte Renz. Mecklenburg-Vorpommern sei ein sicheres Land.

Nach seinen Angaben wurde mit knapp 6000 Fällen je 100 000 Einwohner die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 1992 registriert. Mit 62,9 Prozent weise der Nordosten zudem eine der besten Aufklärungsquoten bundesweit auf.

STRAFTATEN GEGEN DAS LEBEN

Im Vergleich zum Vorjahr wurde fast ein Drittel weniger Delikte registriert. Die Zahl der Fälle von Mord, Totschlag oder Mordversuch sank von 72 auf 49. Vier Menschen wurden ermordet, 2019 waren es zwölf. Knapp 92 Prozent all dieser Fälle wurden aufgeklärt.

ROHHEITSDELIKTE

Mit knapp 15 600 Rohheitsdelikten wurden insgesamt sechs Prozent weniger registriert als 2019. Den Großteil machten mit 10 300 Fällen Körperverletzungen aus, ein Rückgang um 7,5 Prozent. Gegen den Trend nahmen Fälle häuslicher Gewalt zu, um 7,5 Prozent auf 1774. Renz brachte diese Entwicklung in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, da viele Menschen in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt seien und sich damit vieles im häuslichen Umfeld abspiele.

SEXUALSTRAFTATEN

Die Ermittler gingen 1560 Fällen nach, ein Zuwachs zum Jahr 2019 von 12,9 Prozent. Bei gut einem Drittel handelte es sich um die Verbreitung pornografischer Schriften. Laut Statistik nahm dabei besonders stark die Verbreitung von Kinderpornografie, also von Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs, zu. Renz sprach von einer beunruhigenden Entwicklung. Er versicherte, dass die Behörden weiterhin mit aller Entschiedenheit dagegen vorgingen und die technische Ausstattung für die Strafverfolgung insbesondere im Internet verbessert werde.

DIEBSTAHL

Die Zahl der Diebstähle ging weiter um 14 Prozent auf rund 26 500 zurück. Vor zehn Jahren seien es noch etwa doppelt so viele gewesen. Rückläufig war auch die Zahl der Wohnungseinbrüche auf nun noch 786. «Solche Eingriffe in den persönlichen Lebensbereich müssen wir sehr ernst nehmen», sagte Renz. Neben der intensiven Polizeiarbeit habe 2020 aber auch die Corona-Pandemie zum Rückgang beigetragen. «Viele waren im Homeoffice und das hat möglicherweise dazu beigetragen, dass Täter vorsichtiger wurden.» Auch Fahrraddiebstähle gab es weniger.

RAUSCHGIFTKRIMINALITÄT

Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz nahmen um fast 5 Prozent zu und erreichten mit mehr als 8700 Fällen einen neuen Höchststand. Die übergroße Mehrzahl betraf dabei Drogenkonsum. In etwa 500 Fällen wurde wegen Drogenhandels ermittelt, in 23 wegen Beschaffungskriminalität. Renz kündigte an, den Kontrolldruck hoch zu halten. Nach seinen Angaben wurden im Vorjahr 95 Prozent der bekannt gewordenen Fälle aufgeklärt. Doch wird in diesem Bereich auch mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet.

COMPUTER- und INTERNETKRIMINALITÄT

Immer häufiger werden Straftaten mit Hilfe von Computern und im Internet begangen. Dazu gehörten fingierte Warenverkäufe, das Ausspähen von Daten oder das Verbreiten von strafwürdigen Aussagen. Insgesamt wurde in mehr als 7200 Fällen ermittelt, ein Zuwachs gegenüber 2019 von 22 Prozent.

TATVERDÄCHTIGE

Die Zahl der Tatverdächtigen ging binnen Jahresfrist um fast 5 Prozent auf 42 400 zurück. Während bei den Tatverdächtigen bis 30 Jahre der Rückgang deutlicher ausfiel, stieg er bei den über 60-Jährigen an. Die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger sank um fast 14 Prozent auf knapp 5300.

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