Nach Bund-Länder-Beratungen: Kein Osterurlaub an der Ostsee

23.03.2021 Bund und Länder haben rund einen halben Tag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Der Weg zu einer Entscheidung zog sich bis in die Nacht. Einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche Mecklenburg-Vorpommerns muss sich weiter gedulden.

Tobias Woitendorf, Geschäftsführer Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommerns hat enttäuscht auf die Absage des Ostertourismus reagiert. «Die Tourismusbranche fällt von einer Enttäuschung in die nächste. Sie bringt die größten Opfer und verliert zusehends Perspektiven, Personal und zum Teil die Existenz», sagte Tourismusverband-Geschäftsführer Tobias Woitendorf zu den Ergebnissen der Bund-Länder-Beratungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Möglichkeit eines Modellwegs der norddeutschen Bundesländer sei nicht wirklich ergriffen worden.

Der Vorschlag der drei Küstenländer für kontaktarmen Urlaub, etwa in Ferienwohnungen, wurde laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) von den meisten Bundesländern und der Bundesregierung abgelehnt. «Wir haben dafür erreicht, dass es zusätzliche Hilfen für Gastronomie und Tourismus geben soll. Unser Ziel ist, auch diese Branchen, abgesichert durch eine Teststrategie, möglichst zeitnah Schritt für Schritt zu öffnen», erläuterte Schwesig am frühen Dienstagmorgen in einer in Schwerin veröffentlichten Mitteilung.

Der für Mecklenburg-Vorpommern enorm wichtige Wirtschaftsbereich hatte bis zuletzt auf eine Öffnung zu den Ostertagen gehofft. Die Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wollten ihren Bürgern vor den Bund-Länder-Beratungen kontaktarmen Osterurlaub im eigenen Land ermöglichen.

Laut Bund-Länder-Beschluss sind weitere Öffnungsschritte frühestens vom 6. April an vorgesehen. In Mecklenburg-Vorpommern stand zuletzt etwa im Raum, dass die Außengastronomie öffnen könnte, zumindest in Regionen mit geringerem Corona-Infektionsgeschehen, wie in Rostock. Dies wird sich nun voraussichtlich um zwei Wochen verzögern. Eine Pressekonferenz mit Ministerpräsidentin Schwesig ist am Dienstagvormittag geplant.

Die Einwohner im Nordosten müssen sich auf weiterhin anhaltende Corona-Einschränkungen einstellen. Diese sollen Schwesig zufolge bis zum 18. April verlängert werden. Demnach dürfen sich weiterhin maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten treffen, Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Paare, die nicht zusammenleben, zählen als ein Haushalt. An den Ostertagen sind keine Lockerungen der Kontaktbeschränkungen vorgesehen.

Vom 1. bis einschließlich 5. April, also vom Gründonnerstag bis Ostermontag, soll das öffentliche, wirtschaftliche und private Leben weitgehend heruntergefahren werden, um die dritte Welle der Pandemie zu durchbrechen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in der Nacht zum Dienstag beschlossen. Nur am Karsamstag soll demnach der Lebensmittelhandel im engeren Sinne geöffnet bleiben. Kirchen und Religionsgemeinschaften werden gebeten, an Ostern nur Online-Angebote für die Gläubigen zu machen. Nur Impf- und Testzentren sollen offen bleiben. «Wir brauchen diese Phase, um die Dynamik der Infektionswelle zu brechen», sagte Schwesig.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern stiegen die Corona-Infektionszahlen zuletzt wieder deutlich stärker an. Am Montag sind im Nordosten 74 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden. Das waren sieben mehr als am Montag vor einer Woche, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mitteilte. Drei weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion, womit die Zahl der Todesfälle im Land auf insgesamt 832 stieg. Die Inzidenz stieg auf 74 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche - 0,7 mehr als am Vortag. Vor einer Woche lag dieser Wert den Angaben zufolge landesweit bei 63,9.

«Für die Männer, Frauen, Jugendlichen und Kinder wird die Lage zunehmend unerträglich», sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Die Bundesregierung habe seit Pandemie-Ausbruch in drei maßgeblichen Feldern kläglich versagt. «Das nahm mit der Beschaffung der Masken seinen Anfang, geht über die Bestellung von zu wenig Impfstoff hin zur Unfähigkeit, ausreichend Tests zur Verfügung zu stellen.» Der Landesregierung warf sie vor, dass das Impfen zu zögerlich umgesetzt werde.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News