Kritik von Lehrer-Verbänden an Selbsttests in Schulen

17.03.2021 Die kurzfristige Einführung von Corona-Selbsttests für Schüler in der Schule stößt auf massive Kritik bei Lehrer-Gewerkschaften. «Bei uns laufen die Telefone heiß, uns wird von einem Wildwuchs an Anweisungen und Pflichten gegenüber den Lehrkräften berichtet, die die Corona-Schnelltests anleiten und beaufsichtigen sollen», berichtete der Landesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (dbb), Dietmar Knecht, am Mittwoch. Lehrer fühlten sich unsicher, da ihnen medizinisches Fachwissen fehle, um mögliche Fehler in der Durchführung der Tests zu erkennen. Die Informationslage an den Schulen sei chaotisch.

Eine Schülerin öffnet ihr Covid-19-Schnelltest. Foto: Fabian Sommer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisierte, erst am Montagnachmittag sei bekanntgegeben worden, wie ab Mittwoch getestet werden solle, sagte der Landesvorsitzende Michael Blanck. Es gebe viele offene Fragen, die für einen sicheren Schulablauf geklärt werden müssten. «Wer hilft, wenn die Schüler mit den Röhrchen, dem Abzählen der Tröpfchen nicht klarkommen? Wie reagieren die Kinder, wenn bei einem Kind ein positives Ergebnis angezeigt wird? Wie werden die Utensilien auch bei positiven Ergebnissen entsorgt und wie wird desinfiziert?» Aus Sicht des VBE wäre zumindest in den ersten Wochen der Durchführung dieser Tests zusätzliches medizinisches Personal notwendig.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) berichtete von vielen kritischen Rückmeldungen aus den Schulen zu den Selbsttests. «Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich nicht gut auf die Abläufe vorbereitet», betonten di beiden Landesvorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm. «Sie haben Angst, dass es zu Verletzungen, Ansteckungen und nicht zuletzt auch zu Stigmatisierungen der Kinder kommt, wenn diese Tests in den Schulen durchgeführt werden.»

Nach Angaben des Bildungsministeriums können vom kommenden Montag an alle Schüler aller Klassenstufen in MV einmal pro Woche einen Corona-Selbsttest in der Klasse unter Aufsicht des Lehrers vornehmen. Seit Mittwoch würden sie bereits ab Klasse sieben angeboten. In einem Elternbrief versichert Bildungsministerin Bettina Martin (SPD): «Die Tests sind sehr leicht anwendbar und - anders als die bisher bekannten Schnelltests - auch nicht unangenehm. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Österreich, finden die Selbsttests bereits in den Schulen breite Anwendung.»

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