Wälder leiden massiv unter Klimawandelfolgen

04.11.2021 Auch wenn es dieses Jahr wieder mehr geregnet hat: Für den schlechten Zustand der hessischen Wälder bedeutet das keine Entwarnung. Es wird aufgeforstet, aber der Wald wird sich laut Experten verändern.

Nebel hat sich bei Regen in einem herbstlich verfärbten Wald im Hochtaunus bei Schmitten gebildet. Foto: Arne Dedert/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hessens Wäldern geht es nach wie vor sehr schlecht. «Trockenheit, Käfer und Pilze haben unseren Wald vielerorts stark geschädigt», erklärte Umweltstaatssekretär Oliver Conz bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2021 in Taunusstein bei Wiesbaden. Die Folgen des Klimawandels seien fast überall erkennbar. «Hessen blieb in diesem Jahr von langanhaltenden Trockenperioden verschont, trotzdem war es erneut zu warm», erläuterte Conz. Der Wald sei todkrank, es habe 2021 lediglich eine Atempause gegeben.

Der Zustandsbericht dokumentiert einen seit 2019 anhaltend schlechten Gesundheitszustand der Wälder, besonders betroffen sind ältere Bäume. Die jüngeren, bis 60 Jahre alten Bäume haben demnach von den günstigeren Niederschlagsbedingungen 2021 profitiert und weisen verbesserte Werte auf. Der Anteil starker Schäden bleibt über alle Baumarten hinweg jedoch sehr hoch, hieß es.

Zum Aufbau eines klimastabilen Waldes in Hessen stehen bis 2023 nach den Worten von Conz 260 Millionen Euro zur Verfügung. Neben der Wiederbewaldung im Staatswald würden auch private und kommunale Waldbesitzer bei dieser Aufgabe unterstützt.

Seit 38 Jahren wird der Zustand des Waldes systematisch erhoben, wie Ulrike Talkner von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt erklärte. Der Anteil der stark geschädigten Buchen habe 2021 mit acht Prozent den höchsten Wert in dieser Zeitreihe erreicht. Das gleiche gelte für die Kiefer, bei der in diesem Jahr an neun Prozent der Bäume starke Schäden dokumentiert wurden.

Stefan Nowack vom Landesbetrieb HessenForst bekräftigte, dass für den Wald «Alarmstufe Rot» gelte. Nun müsse ein klimastabiler Mischwald aufgebaut werden. Dies geschehe teils durch Anpflanzungen, teils dadurch, dass sich die Bäume im Wald von selbst aussäen und vermehren. In 50 Jahren werde es vermutlich noch Wald in Hessen geben - «aber nicht so, wie wir ihn kennen», sagte der Experte.

Im Rahmen des Integrierten Klimaschutzplans Hessen 2025 habe das Land eine Klimarisikokarte für den Wald erstellt, erklärte Conz. Sie beinhalte auch Empfehlungen für bestimmte Baumarten - je nach Standort. «Die Ergebnisse können landesweit abgerufen werden und stehen für die Umsetzung in der Praxis und zur Beratung aller Waldbesitzenden zur Verfügung.» Weiteren Projekten des Klimaschutzplans beschäftigen sich mit der Kohlenstoffspeicherung in Waldböden, der Renaturierung von Waldmooren und dem Anbau alternativer Baumarten.

Der Naturschutzbund Nabu Hessen forderte mehr Vorsorge beim Waldschutz. Die Folgen der vergangenen Dürresommer seien dramatisch, für die nächsten Jahre sei mit weiteren Trockenperioden zu rechnen. «Für einen effektiven Klimaschutz braucht Hessen mehr Wildnisgebiete ohne Holznutzung», erklärte der Nabu-Geschäftsführer Naturschutz, Mark Harthun. Hier könne sich das Kronendach der Bäume schließen und dadurch den Wald vor gefährlicher Austrocknung schützen.

Auch für den bewirtschafteten Wald empfiehlt der Nabu Zurückhaltung bei der Holzernte. Oberstes Gebot sei es nun, die Bestände so geschlossen wie möglich zu halten, damit die Bäume geschützt blieben. Künftig müsse in Hessen insbesondere im öffentlichen Wald das Motto «Walderhalt vor Holznutzung» gelten, erklärte Harthun. Wald habe noch viele andere wichtige Funktionen, wie Artenschutz, Erholung, Grundwasserbildung und Bodenschutz. Dafür müsse aber der verschwenderische Umgang mit Holz aufhören, forderten die Naturschützer.

© dpa-infocom GmbH

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