Informationszentrum: 400 Mal Verdacht von Pilz-Vergiftung

28.10.2021 Wer für den heimischen Herd Pilze sammelt, sollte genau wissen, was man sich da in den Korb legt. Jährlich gehen Hunderte Anrufe bei Giftinformationszentren wegen potenzieller Pilzvergiftungen ein. Doch gerade hier ist eine Ursachenbestimmung schwer.

Essbare und nichtessbare Pilze liegen zur Bestimmung auf einem Stamm. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das für drei Bundesländer zuständige Giftinformationszentrum der Universitätsmedizin in Mainz hat in diesem Jahr bislang mehr als 400 Anfragen wegen möglicher Pilzvergiftungen registriert. Bis Ende vergangener Woche habe es 406 Anfragen gegeben, sagte der Toxikologe und Leiter des Zentrums, Andreas Stürer, der Deutschen Presse-Agentur. In mehr als einem Drittel der Fälle sei empfohlen worden, einen Arzt oder gleich eine Klinik aufzusuchen. «Anhand der Symptome ist eine Pilzvergiftung schwer darzustellen, deshalb sind wir eher großzügig mit dem Rat in ein Krankenhaus zu gehen», sagte Stürer. Das Giftinformationszentrum in Mainz ist für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig.

«Das Jahr ist noch nicht vorbei», sagte Stürer. Die Experten rechnen bis Jahresende mit rund 440 Anfragen wegen Pilzen. Das wäre in den Jahren seit 1995 der siebthöchste Wert. Das sind nur die Anfragen beim Giftinformationszentrum. Nicht eingerechnet die Menschen, die direkt in die Notaufnahme gehen, einen Pilzsachverständigen kontaktieren oder den Notruf wählen.

Dabei seien die Anrufe wegen potenzieller Pilz-Vergiftungen nur ein ganz kleiner Bruchteil der sich in diesem Jahr wohl auf 50.000 Anrufe besorgter Menschen summierenden Zahl, sagte Stürer. In der Zentrale werde am Limit gearbeitet, die Zahl der Anrufe sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dennoch würden die Mitarbeiter drei Kreuze machen und sich freuen, wenn die Pilzsaison vorbei ist. Gerade bei Pilzen seien die Symptome schwer einzuschätzen. Es könnten Anzeichen einer Unverträglichkeit, aber auch einer lebensbedrohlichen Vergiftung sein. Oftmals wüssten die Menschen nicht mehr genau, was sie gegessen haben. In anderen Fällen, wie beim Knollenblätterpilz, komme die Symptomatik erst mit Stunden Verspätung. Der grüne Knollenblätterpilz ist für die meisten Todesfälle durch eine Pilzvergiftung in Deutschland verantwortlich.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie gibt es in Mitteleuropa rund 10.000 Großpilze, knapp 200 Arten sind essbar und 150 giftig, etwa zehn davon tödlich. Pilzsachverständige bieten Lehrgänge an und zeigen Interessierten, wovon sie besser die Finger lassen sollten. Stürer: «In jedem Fall sollte man sich nicht einfach auf eine Bestimmungs-App verlassen.»

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