Mitbewohner erstochen: 34-Jähriger wegen Mordes verurteilt

03.09.2021 Weil er im Streit einen Mitbewohner in einer Asylbewerberunterkunft im Main-Kinzig-Kreis erstochen hatte, ist ein 34 Jahre alter Mann am Freitag vom Landgericht Hanau wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der bereits einschlägig vorbestrafte Angeklagte aus Somalia im Januar in einer Auseinandersetzung um eine schmutzige Dusche einen 25-jährigen Mann aus Afghanistan in der Unterkunft in Großkrotzenburg tödlich verletzt hatte.

Das Geschehen sei ein «eklatantes Missverhältnis zwischen Anlass und der Bluttat» gewesen, sagte Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel in der Urteilsbegründung. Die Richter nahmen daher diese niedrigen Beweggründe als Mordmerkmal an. Außerdem verhängten sie gegen den 34-Jährigen die nachträgliche Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt (Az.: 3355 Js 809/21). Die Urteilsverkündung musste am Freitag für mehr als eine halbe Stunde unterbrochen werden, weil der Angeklagte einen Schwächeanfall erlitten hatte. Nach einer Behandlung durch Rettungssanitäter wurde die Hauptverhandlung fortgesetzt.

Auslöser für die Tat waren Beschwerden des späteren Opfers über die mangelnde Sauberkeit der gemeinsam genutzten Dusche in der Unterkunft. Mit den Worten «Ich töte ihn!» holte der 34-Jährige nach Überzeugung des Gerichts daraufhin ein Küchenmesser und stach sofort auf den 25-Jährigen ein. Das 20 Zentimeter lange Messer traf Herz und Lunge des Opfers. Kurz danach wurde der Angeklagte von Mitbewohnern überwältigt und entwaffnet.

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Christoph Soeder/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Angeklagte hatte zu den näheren Umständen der Tat keine Angaben gemacht, über seine Verteidiger aber verlauten lassen, dass er sich von den afghanischen Männern in der Unterkunft bedroht gefühlt habe.

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, weil es sich bei dem Angeklagten um einen rechtskräftig verurteilten Mann handelt, der bereits 2017 abgeschoben werden sollte. Der Somalier war bereits 2014 vom Landgericht Hanau wegen versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er einen anderen Mann in Maintal (ebenfalls Main-Kinzig-Kreis) mit einem Messer in den Rücken gestochen und ihn lebensgefährlich verletzt hatte. Anlass für die Attacke war damals ein Streit über die Beleuchtung des gemeinsam genutzten Zimmers. Versuche, den Asylbewerber nach der Verbüßung der Hälfte der Freiheitsstrafe in sein Heimatland abzuschieben, scheiterten den Angaben nach, weil er keinen gültigen somalischen Pass besitzt.

Das Schwurgericht folgte mit seinem Urteil dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung, die eine Verurteilung wegen Totschlags beantragt hatte, kündigte Revision an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News