Ferienzeit kann Hessens Arbeitsmarkt kaum etwas anhaben

31.08.2021 Hessens Arbeitsmarkt zeigt sich auch im Hochsommer in guter Verfassung. Der saisonübliche Einbruch fällt geringer aus als üblich.

"Agentur für Arbeit" hängt über dem Eingang der Bundesagentur. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz der Urlaubszeit ist die Zahl der Arbeitslosen in Hessen im August kaum gestiegen. Zum Stichtag am 12. August waren 177 500 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Dienstag in Frankfurt berichtete. Das waren 940 mehr als im Juli, so dass die Arbeitslosenquote mit 5,1 Prozent unverändert blieb. Der Anstieg sei damit geringer ausgefallen, als es eigentlich im Ferienmonat August üblich ist. Vor einem Jahr hatte es zudem wegen der Corona-Krise noch rund 31 000 Arbeitslose mehr gegeben.

«Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der hessische Arbeitsmarkt weiterhin auf Erholungskurs befindet», erklärte der Chef der Regionaldirektion, Frank Martin, in einer Mitteilung. Weitere positive Signale sieht er in der wachsenden Nachfrage nach Arbeitskräften: «Stellenbestand und Stellenzugänge sind längst wieder auf dem Vorkrisenniveau angelangt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung liegt nach ersten Berechnungen sogar über den Werten aus 2019.» Für den Juni wird die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 2,656 Millionen geschätzt, rund 25 000 mehr als zwei Jahre zuvor.

Auf dem Ausbildungsmarkt hat die Corona-Flaute hingegen Probleme hinterlassen. Den Angaben nach gibt es rund 10 Prozent weniger Bewerber und 6 Prozent weniger gemeldete Lehrstellen. Rund 7200 unversorgten Bewerbern und Bewerberinnen standen zum Stichtag rund 9000 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. Martin zeigte sich aber zuversichtlich, dass bis Dezember noch einige junge Menschen erreicht werden könnten.

«Hessens Wirtschaft sucht weiter händeringend nach Nachwuchs», erklärte des Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, Eberhard Flammer. Die Chancen auf einen kurzfristigen Ausbildungsbeginn stünden gut. Die Kammern bieten dazu Azubi-Speeddatings, Ausbildungsmessen und eine Lehrstellenbörse an.

Der DGB Hessen prangerte die aus seiner Sicht mangelhafte Nutzung des Förderinstruments «Teilhabe am Arbeitsmarkt» an, bei dem Unternehmen für eingestellte Langzeitarbeitlose hohe Lohnkostenzuschüsse erhalten können. Hessen belege hier im Ländervergleich den letzten Platz. «Wir fordern die hessischen Arbeitsagenturen und Jobcenter dazu auf, ihre Anstrengungen bei der Akquise der Arbeitgeber und der Vermittlung deutlich zu verstärken», erklärte DGB-Chef Michael Rudolph in einer Mitteilung.

Die hessischen Arbeitgeber warnten davor, nach der Bundestagswahl die Leistungen der Arbeitslosenversicherung auszuweiten. Die Arbeitsagentur habe mit Zahlung des Kurzarbeitergeldes ihre Reserven weitgehend leergeräumt und müsse ihre Rücklagen wieder auffüllen, erklärte die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU). «Wir brauchen angemessene Anreize zur Arbeitsaufnahme statt ein noch längeres oder erleichtertes Arbeitslosengeld», verlangte VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert.

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