Kommunen brauchen Tausende Wahlhelfer für Bundestagswahl

06.08.2021 Die beiden Kreuze bei der Wahl zu machen, ist das eine. Sie später auszuzählen, ist etwas anderes. Für die nächste Bundestagswahl brauchen die Kommunen Tausende ehrenamtliche Helfer. Kommen genug helfende Hände zusammen?

Wahlhelfer sortieren die roten Wahlbriefe mit den abgegebenen Stimmen für die Bundestagswahl 2017. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ohne ehrenamtliche Helferinnen und Helfer geht bei Wahlen gar nichts und vor jeder Wahl geht die Suche von neuem los. In großen hessischen Städten läuft die Suche nach der nötigen Unterstützung für die Bundestagswahl am 26. September auf Hochtouren. In den Kommunen ist man optimistisch, die erforderliche Zahl an Helferinnen und Helfern zu finden, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Eine Corona-Impfung ist für die Helfer nach Angaben der Städte keine Pflicht. Angesichts der Pandemie rechnen einige Kommunen wieder mit einem hohen Briefwahlanteil.

Allein Hessens größte Stadt Frankfurt braucht rund 4700 ehrenamtliche Helfer für die Wahlvorstände. «Erfreulicherweise haben sich - wie schon bei der Kommunalwahl im Frühjahr - viele Bürgerinnen und Bürger gemeldet, die diese Aufgabe übernehmen wollen», teilte die Stadt auf Anfrage mit. Gegenwärtig sei man auf einem guten Weg, alle Wahllokale mit ausreichend Helfenden zu versorgen. Viele Wahllokale seien bereits voll besetzt. Regional begrenzt gebe es nur noch wenige Lücken zu füllen.

Gut sieben Wochen vor der Wahl des neuen Bundestages sind auch in Darmstadt die Organisatoren optimistisch. Von den benötigten 1386 Ehrenamtlichen sind bereits rund 1200 gefunden.

Fulda geht in Zeiten der Corona-Pandemie auf Nummer sicher. Für den Wahlkreis werden 1800 Wahlhelfer gesucht. «Aufgrund des möglichen erhöhten Ausfallrisikos von Wahlhelfenden bedingt durch Corona beruft die Stadt Fulda mittlerweile die doppelte Anzahl an Ersatzleuten ein», teilte die Stadt mit. Am Wahltag selber würden hiervon rund die Hälfte zum Einsatz kommen. «Wir werden alle benötigten Personen finden.»

Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden sieht man sich gerüstet. «Es haben sich circa 2300 Personen gemeldet, es fehlen noch circa 150, allerdings kommen immer noch Meldungen an.»

In Hanau wartet man nun ab, ob sich ausreichend Helfer melden. Nach Angaben der Stadt würden rund 800 Helferinnen und Helfer für die Wahllokale gebraucht. «Entsprechende Berufungsschreiben wurden verschickt, es bleiben nun die Rückmeldungen abzuwarten.»

Im mittelhessischen Marburg gibt es bislang nach Angaben der Stadt etwa 685 Wahlhelfer und Wahlhelferinnen. Es werden geschätzt noch um die 150 weitere benötigt. «Es stehen allerdings noch Rückmeldungen der Berufenen aus.»

Gut die Hälfte der Helfer hat man bislang in der Stadt Kassel. «Wir benötigen insgesamt 2196 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer für die Bundestagswahl 2021. 1228 Zusagen haben wir bereits erhalten», teilte die Stadt mit. Eine Vielzahl weiterer Menschen sei bereits berufen worden, allerdings gebe es noch nicht überall Zusagen. «Wir freuen uns, wenn sich weitere Freiwillige bei uns melden würden, um mögliche Ausfälle kompensieren zu können.»

Im Internet werben die Städte offensiv um Wahlhelfer. «Mitarbeit in einem Wahlvorstand - im negativen Sinne betrachtet ist sie einfach nur lästige und zeitraubende Bürgerpflicht. Betrachtet man sie aber im positiven Sinne, dann ist sie ein Bürgerrecht, das die Möglichkeit bietet, sich aus freien Stücken aktiv an unserer Demokratie zu beteiligen», heißt es auf der Homepage von Darmstadt. Und in Kassel heißt es: «Verlassen Sie sich nicht darauf, dass es «die Anderen» schon machen werden. Erleben Sie ein Stück Demokratie «hautnah» und unterstützen Sie uns bei der Durchführung der nächsten Wahl!»

«Die Wahlen werden in Deutschland nicht durch die normale staatliche Verwaltung, sondern durch unabhängige Wahlorgane durchgeführt», erklärt das Bundesinnenministerium auf seiner Homepage. Für bundesweite Wahlen würden im ganzen Land rund 650 000 Menschen für einen reibungslosen Ablauf gebraucht. Helferinnen und Helfer prüfen in den Lokalen vor Ort die Wahlberechtigung anhand des Verzeichnisses, geben die Stimmzettel aus und zählen das Ergebnis aus, auch von den Briefwählern.

Für die Hilfe am Wahltag bekommen die Ehrenamtlichen das sogenannte Erfrischungsgeld. «Für die Vorsitzenden der Wahlvorstände und Wahlausschüsse sind jeweils 35 Euro vorgesehen, für die übrigen Mitglieder jeweils 25 Euro», heißt es beim Bundeswahlleiter. Die Kommunen können aber noch den einen oder anderen Euro drauflegen. So zahlt zum Beispiel Hanau in den allgemeinen Wahlbezirken 75 und in den Briefwahlbezirken 40 Euro. In Frankfurt liegt die Entschädigung je nach Funktion zwischen 45 und 50 Euro und in Darmstadt zwischen 25 und 50 Euro. Die Stadt Marburg stockt den Satz für die Helfenden je nach Funktion auf insgesamt 50 bis 60 Euro auf.

Sollten für den Wahltag nicht genug Helfer gefunden werden, können diese auch einfach verpflichtet werden. Ablehnen können die Menschen dann nur aus ganz bestimmten Gründen wie beruflichen Pflichten, Krankheit oder körperlichen Beeinträchtigungen. Wahlhelfer können nur Menschen werden, die für die Bundestagswahl wahlberechtigt sind. In Hessen sind das 4,3 Millionen Menschen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News