Jugendherbergen hoffen auf Schulen: Sorgen wegen Delta

30.07.2021 Insbesondere Familien nutzen derzeit Jugendherbergen als Unterkunft für ihren Sommerurlaub. Mit dem Feriengeschäft in Corona-Zeiten sind die Häuser durchaus zufrieden - und hoffen, dass ihnen eine wichtige Gästegruppe nicht wegbricht.

Blick in ein Mehrbettzimmer einer Jugendherberge. Foto: --/DJH Landesverband Hessen e.V./dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Familien im Mehrbettzimmer, Sprachcamps oder Schulklassen: Die hessischen Jugendherbergen empfangen auch unter Pandemiebedingungen Gäste, die als Gruppe anreisen. «Es ist richtig, wir sind Gemeinschaftsunterkunft», sagt Knut Stolle, Sprecher des hessischen Jugendherbergsverbandes. Man habe aber ein vom TÜV zertifiziertes Hygienekonzept. Zu den Maßnahmen gehören demnach etwa fest zugewiesene Sanitärräume oder verlängerte Essenszeiten, um Schlangen zu verhindern. Von Vorteil sei auch, dass die Herbergen und ihre Gelände oftmals großzügig angelegt seien und sich die Gäste gut verteilen könnten. «Das klappt tatsächlich gut.»

Die Saison verläuft für die Häuser nach Einschätzung des Verbandssprechers bislang besser als Anfang des Jahres erwartet. «Wir haben darauf gehofft, dass es entsprechend laufen wird.» Dann sei aber die dritte Corona-Welle mit dem Lockdown gekommen, «was uns ein bisschen den Mut genommen hat». Was geholfen habe: Die Möglichkeit, wieder Schüler empfangen zu können. Klassenfahrten innerhalb Deutschlands sind laut dem hessischen Kultusministerium innerhalb Deutschlands grundsätzlich möglich, allerdings unter dem Vorbehalt, «dass die infektiologische Entwicklung Reisen in das Zielgebiet zulässt».

Bereits vor den Sommerferien gab es Stolle zufolge wieder Klassenfahrten, die ein wichtiges Standbein für die Jugendherbergen sind. Derzeit begrüße man viele Familien, es gebe aber auch wieder mehr Kinder- und Jugendfreizeiten. Die Sommerferien-Auslastung der Häuser liege bei etwa 70 bis 80 Prozent des Vor-Corona-Jahres 2019.

Buchungen sind auch bereits für die Zeit nach den Ferien eingegangen: Die Wochen zwischen Sommer- und Herbstferien gelten als eine Hochsaison für Schulfahrten. Für diesen Zeitraum blicken die Jugendherbergen auf eine Auslastung von hochgerechnet etwa 80 Prozent im Vergleich zu einem regulären Jahr, so Stolle. «Das ist durchaus sehr, sehr positiv, damit haben wir Anfang des Jahres noch gar nicht unbedingt gerechnet.» Aber: «Wir hoffen natürlich, dass das Schulfahrtengeschäft so wie geplant stattfinden kann», sagt er mit Blick auf die grassierende Delta-Variante des Coronavirus.

Insgesamt rechnet der Verband mit deutlich weniger Übernachtungen als 2019: Damals wurden im gesamten Jahr 618.000 Übernachtungen gezählt, die Prognose für 2021 liegt bei 340.000 bis 350.000.

In Hessen gibt es mehr als 20 Jugendherbergen. Nicht alle stehen aktuell Gästen zur Verfügung: Die Marburger Einrichtung beispielsweise ist geschlossen und soll neu gebaut werden. In vier Herbergen sind Geflüchtete untergebracht. Ende 2020 mussten die Häuser in Gießen, Weilburg und Zwingenberg schließen. Es sei wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen, diese Häuser zu halten, erläutert Verbandssprecher Stolle. «Da war Corona dann der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.»

Frisch saniert ist die Jugendherberge Starkenburg im südhessischen Heppenheim in die Saison 2021 gestartet. Man sei «mit einem blauen Auge» durch die Corona-Zeit und den Lockdown gekommen, sagt Einrichtungsleiter Jens Makarowski. Es sei ein Glück gewesen, dass man zwischen Mitte November 2020 und Anfang Juni Bundeswehrsoldaten habe beherbergen können. Das habe zwar keine normalen Umsätze beschert, aber kostendeckendes Arbeiten ermöglicht. So sei die Einrichtung besser als andere Jugendherbergen durch den Lockdown gekommen. Froh ist er über die Sanierung des Hauses, die habe sich gelohnt und komme bei den Gästen gut an.

Derzeit übernachten in Heppenheim viele Familien. Auch für die Zeit nach den Sommerferien sieht es Makarowski zufolge mit den Buchungen ganz gut aus. Doch auch hier bereitet die Delta-Variante Sorgen: «Es wäre schlimm für uns, wenn Klassenfahrten wieder storniert würden.»

Das wäre «das größte Horrorszenario», sagt Frank Mattke, der zusammen mit seiner Frau die Jugendherberge Waldeck am Edersee in Nordhessen leitet. Bislang ist er aber mit der Saison zufrieden: «Grob gesagt hinken wir im Moment nicht weit den Zahlen von 2019 hinterher, was die Sommermonate Juli/August angeht.» Er schätze, dass insgesamt knapp 90 Prozent der üblichen Auslastung erreicht sei. Derzeit beherbergt das Haus neben Familien auch Sprachcamps. Zum Hygienekonzept gehören unter anderem feste Essenszeiten und zugewiesene Tische sowie Maskenpflicht im Haus. Familien bekommen Mattke zufolge in der Regel ein Zimmer mit Bad zugewiesen.

Die Jugendherbergen hoffen im Verlauf des Jahres noch auf eine weitere Gästegruppe: Teilnehmer von Tagungen und Seminaren. Das sei gerade im Winter eine wichtige Gästegruppe, sagt Sprecher Stolle.

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