Kirchen verlieren weiterhin Mitglieder

14.07.2021 Im Corona-Jahr 2020 haben die großen Kirchen Hessen zwar weiter mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen. Die Zahl der Austritte ist allerdings deutlich zurückgegangen.

Ein Kirchenkreuz. Foto: Peter Kneffel/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Corona-Jahr 2020 haben die beiden großen christlichen Kirchen in Hessen Tausende Mitglieder verloren. Allerdings sank die Gesamtzahl der Austritte im Vergleich zum Jahr davor, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Statistiken hervorgeht. Gerechnet auf Hessen hatte die evangelische Kirche zum Jahreswechsel 2020/2021 noch 1,99 Millionen Mitglieder (2019: 2,04 Millionen). Der katholischen Kirche in dem Bundesland gehörten 1,33 Millionen Menschen an (2019: 1,36 Millionen).

Krisen gelten eigentlich als «gute Zeiten» für Religionen, da sie dann als Sinnstifter gefragt sind. Doch die Kirchen hüteten sich am Mittwoch davor, die Verlangsamung bei den Austrittszahlen als Trendumkehr zu bewerten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, bezeichnete die Statistik als «schmerzlich». «Viele haben das Vertrauen verloren und möchten mit dem Kirchenaustritt ein Zeichen setzen», sagte Bätzing.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm sagte: «Jeder Kirchenaustritt bekümmert mich und lässt mich fragen, was wir als Kirche tun können, um Menschen vom guten Sinn der Mitgliedschaft in unserer Kirche zu überzeugen.»

Das BISTUM FULDA zählt nach seiner neuen Statistik zum Stichtag 369 854 Katholiken. Wie das Bistum mitteilte, sind das 6951 weniger als im Vorjahr. Ursache der sinkenden Katholikenzahl sei neben der demografischen Entwicklung die Austrittszahl. Insgesamt 3486 Kirchenaustritte haben demnach im vergangenen Jahr stattgefunden. Das sind 239 Austritte weniger als im Jahr 2019.

Auch das BISTUM LIMBURG hat im Corona-Jahr 2020 Tausende Mitglieder verloren. Zum Jahresende gehörten noch rund 580 000 Katholiken zu der Diözese des Limburger Bischofs und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Das waren etwa 13 000 Gläubige weniger als noch 2019, wie das Bistum mitteilte. Knapp 8200 Menschen erklärten ihren Austritt aus der katholischen Kirche. Das Bistum Limburg erstreckt sich über Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Mitgliederschwund gibt es auch im BISTUM MAINZ. Zum Jahreswechsel gehörten noch knapp 687 000 Gläubige zu der Diözese von Bischof Peter Kohlgraf, wie das Bistum mitteilte. Das waren rund 16 000 Menschen weniger als noch ein Jahr zuvor. Die Zahl der Kirchenaustritte lag bei rund 8500 (2019: 9900).

Die EVANGELISCHE KIRCHE IN HESSEN UND NASSAU (EKNH) verzeichnete zum Stichtag 31. Dezember insgesamt 1 446 971 Mitglieder in gut 1100 Gemeinden und damit 2,5 Prozent weniger als noch 2019. Im vergangenen Corona-Jahr seien die Kirchenaustritte um zwölf Prozent auf gut 18 000 zurückgegangen, teilte die EKNH mit. Allerdings seien auch die Kircheneintritte rückläufig. Die EKHN erstreckt sich über Teile Hessens und Rheinland-Pfalz. Sie vertritt in Hessen 1,16 Millionen Gläubige und im Nachbarland 280 000.

Die Zahl der Mitglieder der EVANGELISCHEN KIRCHE VON KURHESSEN-WALDECK (EKKW) nahm laut Mitteilung um rund 16 800 von 783 980 im Jahr 2019 auf 767 149 im Jahr 2020 ab. Allerdings zählte die EKKW mit 7037 insgesamt 1200 weniger Austritte als im Vorjahr (2019: 8254). Der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gehören rund 770 000 Menschen an. Das Gebiet der Landeskirche erstreckt sich von Bad Karlshafen im Norden bis zum Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim im Süden, vom Waldecker Upland im Westen bis zum im Freistaat Thüringen gelegenen Kirchenkreis Schmalkalden.

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