Lockerung statt Lockdown: Händler und Wirte zufrieden

28.05.2021 Der Wetteraukreis machte den Anfang, mittlerweile dürfen immer mehr Regionen Corona-Regeln lockern. Hessens Händler und Gastronomen sind mit dem Auftakt zufrieden - hoffen aber auf weitere Perspektiven.

Eine Tafel mit den Worten «Wir freuen uns auf Euch» steht am Eingang zu einer Gartenterrasse. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zahlreiche Menschen haben in den vergangenen Tagen die Corona-Lockerungen in der Wetterau genutzt, um beim Shoppen oder Lokalbesuch etwas mehr Normalität in der Pandemie zu erleben - zur Erleichterung von Gastronomen und Einzelhändlern. «Diejenigen, die geöffnet haben, die sind sehr froh und man merkt, dass das eine Erleichterung für die Seele ist, dass man endlich nach so langer Zeit wieder komplett öffnen durfte», sagt Oliver Seidel, Geschäftsführer des Gaststättenverbandes Dehoga in Mittelhessen.

Aus den Betrieben der Region kommen Seidel zufolge positive Reaktionen. Diese meldeten zurück, dass es gut laufen würde - was auch an den Gästen liege: «Die Gäste sind gut vorbereitet, die Gäste haben sich informiert, was auf sie zukommt.» Doch es gebe in der Branche auch noch eine gewisse Unsicherheit und Angst, wie sich die Lage weiterentwickelt. «Die Öffnungsperspektiven müssen natürlich weitergehen», so Seidel.

Der Wetteraukreis konnte angesichts gesunkener Infektionszahlen als erste Region in Hessen nach monatelangem Lockdown Lockerungen einführen. Am 10. Mai erreichte der Kreis die Öffnungsstufe 1 des Landeskonzeptes, vor einer Woche dann die zweite, die zusätzliche Erleichterungen vorsieht.

Seitdem gilt in der Wetterau unter anderem: Einkaufen in Einzelhandelsgeschäften ist ohne Anmeldung und Corona-Test möglich, auch bei Lokalbesuchen muss - wenn man draußen Platz nimmt - kein negatives Testergebnis vorgezeigt werden. Restaurants und Cafés dürfen zudem drinnen Gäste empfangen, wobei jene, die nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Infektion genesen sind, einen Test benötigen.

Entsprechend beliebt ist die Außengastronomie: «95 Prozent ist natürlich draußen, fünf Prozent innen», berichtet Christian Schöniger, Inhaber des Lokals «Schweizer Milchhäuschen» in Bad Nauheim. Er ist mit dem Auftakt zufrieden. «Pfingsten war der absolute Hammer. Da war unglaublich viel los. Aber es haben sich alle ganz toll an alle Regeln gehalten.»

Allerdings bedeuteten die Regeln und damit verbundene Bürokratie wie das Überprüfen von Arztbescheinigungen und Tests einen Mehraufwand. «Ich habe noch nie so viele Laborberichte lesen müssen», erzählt der Gastronom. Er wünscht sich, seine Gäste bald auch drinnen ohne Vorlage eines negativen Testergebnisses bewirten zu können. «Es ist halt noch sehr personalintensiv, was wegfallen würde, wenn man die Testpflicht für innen irgendwann ad acta legt.»

In Hessen gelten die Corona-Regelungen der zweiten Lockerungsstufe nach Angaben des Landes derzeit nicht nur im Wetteraukreis, sondern auch im Vogelsberg- und Hochtaunuskreis sowie in den Kreisen Darmstadt-Dieburg und Main-Taunus (Stand Freitag). In der ersten Stufe, die strengere Vorgaben macht, befinden sich 15 Kreise und kreisfreie Städte. Die Bundesnotbremse mit den schärfsten Beschränkungen griff am Freitag noch in sechs Kommunen.

Dass immer mehr Regionen in Hessen lockern können - perspektivisch bald wohl alle - ist auch aus Sicht des Hauptgeschäftsführers des Dehoga in Hessen, Julius Wagner, «sehr, sehr positiv» für die Branche. Das festgelegte schrittweise Vorgehen bei den Lockerungen eröffne den Gastronomen Perspektiven und Planungssicherheit. Allerdings werde die Aufbruchstimmung etwas dadurch gedämpft, dass für diese teils strengere Auflagen gelten als für andere Branchen.

Auch die Händler sind mit den bisherigen Erfahrungen mit den hessischen Lockerungsstufen zufrieden. «Grundsätzlich geht es in Hessen in die richtige Richtung», sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Hessen, Sven Rohde. Dass in den betreffenden Kommunen kein Corona-Test fürs Shoppen benötigt wird, sei «ein großer Vorteil, weil das immer ein Hemmschuh war». Und es erleichtere ungemein, in der zweiten Öffnungsstufe nicht mehr die Kontaktdaten der Kunden vermerken zu müssen. Wichtig sei zudem das Zusammenspiel mit der Gastronomie.

Wie die Einzelhändler finanziell dastehen, könne man noch nicht sagen, so Rohde. «Das waren natürlich lange fünf Monate», sagt er mit Blick auf die Zwangspause während des Lockdowns. Ohne Frage aber seien noch Hilfen nötig.

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