Städte rücken wieder Eichenprozessionsspinner zu Leibe

07.05.2021 Sie bewegen sich in Dutzenden an den Bäumen: Larven eines unscheinbaren Nachtfalters. Bei Menschen können die Tiere schlimme Reaktionen hervorrufen. In Hessen wird nun mit Hubschraubern und Sprühkanonen gegen den Eichenprozessionsspinner vorgegangen.

Die Raupe eines Eichenprozessionsspinners kriecht auf einem Eichenstamm entlang. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sie sind haarige Larven und eine Gefahr für die Gesundheit. In vielen hessischen Städten beginnt dieser Tage wieder der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner. Vorsorglich sollen Tausende Eichen an Straßen, in öffentlichen Grünanlagen, auf Spielplätzen, an Kitas, Schulen oder Friedhöfen mit biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln besprüht oder Raupennester abgesaugt werden, um die Menschen vor den Gesundheitsgefahren zu schützen. Die sogenannten Brennhaare der Larven von Nachtfaltern enthalten Nesselgift und können leicht in die Haut und Schleimhaut eindringen. Die Folge können Ausschläge, Augenreizungen, Atembeschwerden und allergische Reaktionen sein.

«Der Eichenprozessionsspinner kommt nahezu landesweit vor. Ein vermehrtes Auftreten verzeichnen wir aber insbesondere im westlichen Hessen, zwischen Weilburg und Gießen und im südlichen Hessen», teilte der Landesbetrieb Hessen Forst der Deutschen Presseagentur mit. Trockenheit und steigende Temperaturen hätten generell auch in Hessen zu einer vermehrten Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners geführt. «Besonders häufig sind die wärmeliebenden Raupen in lichten Eichenwäldern, an Waldrändern und Alleen anzutreffen.» Waldbesucher sollten daher in den kommenden Monaten aufmerksam sein und bei einem Kontakt zu einem Arzt gehen. Auch Tiere können betroffen sein.

In der kommenden Woche will die größte hessische Stadt FRANKFURT damit beginnen, rund 6700 Eichen vom Boden aus zu besprühen. Zudem sollen mit einem Hubschrauber etwa 217 Hektar Eichenbestände am Rande des Stadtwaldes mit einem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel besprüht werden, teilte die Stadt mit. «Die Stadt Frankfurt am Main setzt in den Außenbereichen einen Hubschrauber ein. Auch kommen Sprühkanonen zum Einsatz, die die Raupen vom Boden aus vernebeln und schließlich werden die restlichen Raupennester mit Spezialsaugern entfernt.»

Mit der prophylaktischen Bekämpfung der Schädlinge sollte in DARMSTADT eigentlich schon in den vergangenen Tagen begonnen werden. Dies hat sich nach Angaben der Stadt jedoch wegen der kühlen Witterung verschoben. Mittels Arbeitsbühne oder Hochleistungssprühkanone sollen rund 3900 Bäume behandelt werden. An einigen Anlagen komme auch ein Hubschrauber zum Einsatz. In HANAU und GIESSEN sind knapp 1000 Bäume betroffen, die vom Boden aus besprüht werden sollen.

Seitdem die Tiere im Frühsommer 2018 erstmals massiv aufgetreten seien, starten auch in FULDA regelmäßig im Frühjahr Abwehrmaßnahmen. In diesem Jahr soll nach Angaben der Stadt Mitte Mai damit begonnen werden, rund 2200 Eichen im Stadtgebiet zu behandeln.

«Zum Glück ist bisher der Eichenprozessionsspinner in Kassel noch nicht vorgekommen, daher sind derzeit auch keine Abwehrmaßnahmen vorgesehen», hieß es aus Hessens nördlichster Großstadt. Sollte der dennoch in Zukunft auch in KASSEL vorkommen, will die Stadt unter anderem mit vermehrtem Aufhängen von Nistkästen für Meisenarten gegen die Larven vorgehen.

Im Staatswald des Landes Hessen gibt es Hessen Forst zufolge in diesem Jahr noch keine Meldungen über Eichenprozessionsspinner. Eine Bekämpfung werde aber nur in sehr seltenen Fällen angeordnet. Wenn, dann sei das häufigste Mittel das Absaugen der Nester. Der Einsatz von Flugzeugen komme nur bei einem Massenvorkommen und einer erhöhten Gefahr für Menschen in Frage.

Der Eichenprozessionsspinner bildet nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums im dritten von sechs Larvenstadien im Mai oder Juni die Brennhaare aus, die in jedem weiteren Stadium mehr und länger werden. Die Raupen leben in Gruppen zusammen. Befallene Eichen erkenne man an kahlgefressenen Ästen und an den Nestern.

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