Ehefrau des Angeklagten sagt in Kriegsverbrecherprozess aus

19.03.2021 Im Prozess gegen einen wegen Kriegsverbrechen an den Jesiden angeklagten mutmaßlichen Anhänger der Terrormiliz IS ist am Freitag die Zeugenaussage der damaligen Ehefrau des Angeklagten fortgesetzt worden. Die aus Niedersachsen stammende Frau schilderte vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt noch einige Details über das Leben mit einer versklavten Jesidin und ihrer Tochter. Auf Fragen der Bundesanwaltschaft und der Nebenklage hingegen antwortete sie nicht, sondern ließ über ihre Anwälte auf ihr Aussageverweigerungsrecht verweisen. Auch auf die Fragen der Verteidigung antwortete sie nicht. Die Verteidiger fragten unter anderem danach, ob die 29-Jährige ihren Mann habe umbringen lassen wollen und ob sie Hass auf ihn empfinde.

Schriftzug «Die Würde des Menschen ist unantastbar» am Gebäude des Oberlandesgerichtes Frankfurt. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Ex-Mann der aus Niedersachsen stammenden 29-Jährigen ist der Iraker Taha Al-J., der sich seit April vergangenen Jahres vor dem OLG Frankfurt verantworten muss. Ihm werden unter anderem Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Dabei geht es insbesondere um die Versklavung einer jesidischen Frau und ihrer fünfjährigen Tochter. Der Mann soll das Mädchen als Bestrafung bei glühender Hitze an ein Fenster im Hof seines Hauses gebunden haben. Das Kind starb qualvoll, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft.

Die Versklavung von Jesiden habe sie «fürchterlich» gefunden, sagte die 29-jährige Jennifer W. am Freitag. Sie gab erneute an, dass ihr damaliger Mann die jesidische Frau und das Kind geschlagen habe. Sie habe das nicht einfach hingenommen, sondern gefragt «Was soll das», sagte sie in ihrer Aussage. Sie sei aber nicht dazwischen getreten, weil sie sich vor ihrem Mann gefürchtet habe. Ihre eigene Rolle als Nutznießerin von Sklavenhaltung konnte sie nicht erkennen: «Ich verstehe auch nicht, warum sie so schlecht auf mich zu sprechen ist», sagte sie, als ihr Teile der Zeugenaussage der Jesidin vorgehalten wurden.

Gegen die Zeugin wird in München ebenfalls ein Prozess um den Tod des Mädchens geführt. Sie war bereits im vergangenen Jahr als Zeugin in Frankfurt geladen, hatte damals aber von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Nachdem sie in ihrem eigenen Verfahren zunächst geschwiegen hatte, hat sie sich vor wenigen Tagen in einer von ihrer Anwältin verlesenen Einlassung zu den Vorwürfen geäußert.

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