Verschärfte Corona-Regeln in Kraft

05.12.2021 Ungeimpften ist eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nun fast vollständig verwehrt. Nachdem sie in Hamburg schon länger von kulturellen Veranstaltungen ausgeschlossen sind, sind für sie nun auch die meisten Geschäfte tabu. Das bleibt nicht ohne Reaktion.

Eine Teilnehmerin und ein Teilnehmer unterhalten sich miteinander. Foto: Georg Wendt/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Begleitet vom Protest Tausender Impfskeptiker sind am Wochenende in Hamburg noch strengere Corona-Regeln mit massiven Auswirkungen auf Ungeimpfte in Kraft getreten. So dürfen Ungeimpfte nun nur noch in Läden des täglichen Bedarfs einkaufen, alle anderen Geschäfte sind seit Samstag für sie tabu.

Und voraussichtlich nächste Woche kommen Kontaktbeschränkungen hinzu. Dann dürfen Ungeimpfte nur noch mit den Mitgliedern des eigenen Haushalts und maximal zwei Mitgliedern aus einem zweiten Haushalt zusammentreffen. Dies soll laut Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) einen Anreiz bieten, sich doch noch impfen zu lassen.

Aus Protest gegen die Corona-Politik des Bundes und der Länder hatten sich am Samstag nach Polizeiangaben etwa 5000 sogenannte Querdenker und Impfskeptiker in der Innenstadt versammelt. Angemeldet gewesen sei eine Teilnehmerzahl von 2000. Die inzwischen seit Wochen jeden Samstag stattfindende Demonstration sei friedlich verlaufen, allerdings habe es Schwierigkeiten mit dem Abstandhalten gegeben. Der Aufzug stand unter dem Motto «Das Maß ist voll - Hände weg von unseren Kindern». Vergangene Woche hatten sich rund 3000 Menschen an der Demonstration beteiligt.

Doch nicht nur Ungeimpften, auch Geimpften und Genesenen machen die neuen Regeln zu schaffen. So bildeten sich wegen der nun verpflichtenden 2G-Kontrollen vor einigen Geschäften Schlangen. Andererseits wurden nach Angaben des Handelsverbands Nord insgesamt deutlich weniger Menschen zum zweiten Advent in die Einkaufspassagen gelockt.

Sprecherin Mareike Petersen sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei jedoch unklar, ob die geringe Kundenzahl an der neuen 2G-Regel liege oder daran, dass die Menschen generell wegen der Corona-Pandemie vorsichtiger geworden seien. Insgesamt geht der Handelsverband in Hamburg von einem Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent aus.

Doch nicht nur im Einzelhandel, auch in Clubs und allen anderen Lokalen, wo getanzt wird, gelten nun mit 2G plus strengere Regeln. Das heißt: Nur Geimpfte oder Genesene kommen rein und müssen zusätzlich einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen. Als weitere Verschärfung sieht die neue Eindämmungsverordnung auch unter 2G-Bedingungen wieder die Maskenpflicht vor. Immer dort, wo es möglich ist - wie bei Theater- und Kinovorstellungen -, muss auch am Platz wieder eine medizinische Maske getragen werden.

Und durften bisher alle ungeimpften Minderjährigen am 2G-Modell teilhaben, gilt diese Ausnahme jetzt nur noch für unter 16-Jährige. Grund ist die schon länger bestehende Impfmöglichkeit für 16- und 17-Jährige.

Das Missachten der im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) geltenden 3G-Regel - geimpft, genesen oder getestet - wird vom 13. Dezember an teuer: Dann wird eine Vertragsstrafe in Höhe von 80 Euro fällig. Bei wiederholt festgestellter Missachtung der 3G-Regel oder mangelnder Bereitschaft, den Nachweis zu erbringen, kann nach Angaben der Verkehrsbehörde zusätzlich ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro erhoben werden. Bereits jetzt wird das Missachten der Maskenpflicht mit 40 Euro geahndet. «Damit die 3G-Regel als zusätzliches Schutzinstrument wirken kann, ist es wichtig, dass sich alle daran halten», betonte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) am Sonntag.

Angesichts eher mangelnden Interesses der Kinderärzte an Corona-Schutzimpfungen für Fünf- bis Elfjährige will Hamburg eigene Kinderimpfzentren einrichten. Das Gros der Kinderärzte ziehe nicht mit, sagte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Bislang habe rechnerisch nur knapp ein Viertel der Kinderärzte zurückgemeldet, sich beteiligen zu wollen. Ihre Behörde habe alle Praxen hinsichtlich der zu bestellenden Menge des Impfstoffs angefragt.

«Die Rückmeldung lautet so: Der medizinische Nutzen ist überschaubar bei dieser Altersgruppe, und es gibt sehr viel wichtigere kinderärztliche Tätigkeiten, die priorisiert gemacht werden müssten, insbesondere in den durch die Erkältungssaison ohnehin belasteten Kinderarztpraxen», berichtete Leonhard.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen in Hamburg stieg derweil am Sonntag wieder. Die Gesundheitsbehörde gab die Zahl pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche mit 237,5 an. Am Samstag hatte der Wert 236,8 betragen, vor einer Woche 246,5. Insgesamt seien 571 neue Fälle gemeldet worden. Die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus in Hamburg gestorben sind, stieg laut Gesundheitsbehörde um 1 auf 1903.

Auf den Intensivstationen der Hamburger Krankenhäuser wurden am Sonntagvormittag (Stand: 11.15 Uhr) laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 71 Covid-19-Patienten behandelt, von denen 48 invasiv beatmet werden mussten - 4 beziehungsweise 3 mehr als am Vortag. Damit sind 15,1 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

Als Batman, Spiderman oder Nikolaus verkleidete Feuerwehr-Höhenretter seilten sich unterdessen am Sonntag zur Freude der kleinen Patientinnen und Patienten vom Dach des Kinder-UKE in Hamburg ab. Sie wollten so die im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untergebrachten Kinder zum Nikolaustag überraschen und sie den Krankenhausalltag für einen Moment vergessen lassen. Wegen der Corona-Pandemie sind Besuche im Kinder-UKE nach wie vor stark reglementiert.

© dpa-infocom GmbH

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