Grote zu «Pimmelgate»: Häme bis in das Private

03.11.2021 Beim Wirbel um das sogenannte «Pimmelgate» hat sich nach Worten von Hamburgs Innensenator Andy Grote viel Häme und Aggressivität entladen - bis in das Private. «Wenn es dann die Familie betrifft, setzt einem das natürlich schon zu», sagte der SPD-Politiker der Wochenzeitung «Die Zeit». Er werde inzwischen nicht mehr nur im Netz, sondern auch in seinem privaten Umfeld angefeindet. «Wenn meine Frau nach Hause kommt und feststellt, dass jemand seine Exkremente vor unserer Toreinfahrt hinterlassen hat, ist das schon grenzüberschreitend.»

Auf einem Plakat an der Roten Flora im Schanzenviertel steht «Andy, Du bist so 1 Pimmel, tritt zurück» sowie "SoKo Wand und Farbe". Foto: Bodo Marks/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zum Hintergrund der als «Pimmelgate» bekanntgewordenen Kontroverse: Im Mai gab es einen an Grote gerichteten Tweet bei Twitter mit dem Wortlaut «Du bist so 1 Pimmel». Er kam als Reaktion auf einen Tweet von Grote, in dem er Menschen als «ignorant» bezeichnete, die trotz Corona im Schanzenviertel gefeiert hatten. Grote selbst hatte zu Beginn der Pandemie seine neuerliche Berufung zum Innensenator unter Missachtung der Corona-Regeln in einer Kneipe gefeiert und dafür eine Geldbuße zahlen müssen.

Zum «Pimmelgate» wurde die Angelegenheit, als die Staatsanwaltschaft nach einem Strafantrag Grotes wegen Beleidigung im September die Wohnung des mutmaßlichen Urhebers des Tweets durchsuchen ließ. Tausende Menschen kritisierten die Aktion im Netz unter dem Hashtag «Pimmelgate» als völlig unverhältnismäßig und überzogen.

«Gerade erst wurde mir per Tweet das gleiche Schicksal gewünscht wie Walter Lübcke, dem ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten», sagte Grote dem Blatt. «Den Tweet habe ich angezeigt.» Ansonsten habe er der Polizei mitgeteilt, dass er bei geringfügigeren Beleidigungen in der aktuellen Situation keine Strafanträge stelle.

In dem Interview räumte Grote auch eigene Fehler bei seiner Kritik an Feiernden im Hamburger Schanzenviertel ein. «Wenn ich selbstkritisch zurückblicke, würde ich sagen, dass mein Tweet vor dem Hintergrund des Fehlers, den ich selber gemacht habe, in der Wortwahl vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen war», sagte er.

© dpa-infocom GmbH

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