Vor 50 Jahren: Hamburger Polizist wird erstes RAF-Mordopfer

22.10.2021 Vor 50 Jahren ist Hamburg in Alarmstimmung. Die Polizei sucht nach verdächtigen Linksterroristen. Bei einem nächtlichen Zwischenfall stirbt ein Beamter - das erste Mordopfer der Baader-Meinhof-Gruppe.

Kriminalbeamte bei der Spurensicherung am 22. Oktober 1971. Foto: picture-alliance / dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor 50 Jahren ist der Hamburger Polizist Norbert Schmid das erste Opfer der Roten Armee Fraktion (RAF) geworden. Der 32-jährige Beamte und ein Kollege hatten in der Nacht zum 22. Oktober 1971 eine verdächtige junge Frau in der Nähe des Einkaufszentrums im Stadtteil Poppenbüttel überprüfen. Doch die Frau flüchtete. Die beiden Zivilfahnder nahmen die Verfolgung auf. Plötzlich fielen sechs Schüsse, Schmid brach zusammen und starb. Ein hinzugekommenes Pärchen soll geschossen haben, berichtete später Schmids Kollege Heinz Lemke.

Die Atmosphäre in Hamburg war damals gespannt. Wenige Monate zuvor, am 15. Juli 1971, war die Terroristin Petra Schelm im Zuge einer Baader-Meinhof-Großfahndung von einem Polizisten in der Hansestadt erschossen worden. Schmid war das erste Todesopfer im Terrorkampf der RAF, wie sich die Baader-Meinhof-Gruppe selbst nannte.

Kurz nach den Schüssen auf den Beamten nahm die Polizei eine 23 Jahre alte Frau fest. Sie hieß Margrit Schiller und wurde seit längerem als Mitglied der Baader-Meinhof-Gruppe gesucht. Sie hatte zwar eine Waffe dabei, aus der sei aber kein Schuss abgegeben worden, schrieb später der NDR-Journalist Butz Peters in seinem Buch «RAF. Terrorismus in Deutschland».

Anhand von Fahndungsfotos konnte Lemke das Baader-Meinhof-Mitglied Gerhard Müller als Tatverdächtigen identifizieren. Auch Margrit Schiller bezichtigte ihn später der Tat. Müller wurde 1972 in Hannover verhaftet. Er wurde zu einer Art Kronzeuge in den Prozessen gegen andere RAF-Mitglieder. Er wurde verurteilt, aber nicht wegen des Polizistenmordes in Hamburg.

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