«Völlig besessen»: 23-Jähriger soll junge Frau getötet haben

18.10.2021 Eine junge Frau lernt über Facebook einen jungen Mann kennen. Er verkauft ihr Drogen. Doch er will mehr, läuft ihr hinterher. Sie will das nicht, erstattet Anzeige. Jetzt ist sie tot.

Der Angeklagte (l) sitzt zu Beginn des Prozesses neben seinen Anwälten. Foto: Christian Charisius/dpa/Pool/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Er soll regelrecht besessen von ihr gewesen sein: «Er wollte immer Sex mit ihr. Hat gegenüber anderen gesagt: Das ist meine Frau, die heirate ich», sagt Rechtsanwältin Claudia Krüger. Sie vertritt die Eltern, die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten. «Sie hat ihm jedoch ganz klar gesagt, dass sie das nicht will», berichtet Krüger weiter. Kennengelernt hatten sich die junge Frau aus Hamburg und der junge Mann ein halbes Jahr vor der Tat über Facebook. Irgendwann hat sie ihn bei der Polizei angezeigt wegen Stalking. Doch einen schriftlichen Anhörungsbogen füllte sie nicht aus. Anfang des Jahres wurde die 20-Jährige tot im Fahrradkeller gefunden.

Der Mann, der sie getötet haben soll, steht seit Montag vor dem Hamburger Landgericht. Angeblich soll der Libyer 23 Jahre alt sein, doch er wirkt viel älter und es gibt auch Angaben über ein älteres Geburtsdatum. Mit einem roten Aktenhefter verdeckt der Mann sein Gesicht, als die Fotografen den Saal betreten. In weißem T-Shirt und blauer Jeans wirkt er eher unauffällig. Ob er in dem Prozess aussagen wird, steht noch nicht fest, sagte sein Anwalt. Zunächst wurde zu Beginn des Prozesses nur die Anklage verlesen (AZ: 604 Ks 8/21).

Dem 23-Jährigen wird vorgeworfen, die junge Frau im Fahrradkeller eines Mietshauses, in dem sie mit ihrer Familie lebte, getötet zu haben. Zuvor soll er mit der 20-Jährigen gegen ihren Willen Sex gehabt haben und sie anschließend ohne oder mit seiner Jeanshose erstickt haben. Das Opfer war zuvor mit Drogen betäubt worden. Schon früher soll der Angeklagte der 20-Jährigen Drogen verkauft haben, in erster Linie Marihuana. Der Verdächtige hatte nach der Tat selbst die Rettungskräfte gerufen und war wenig später festgenommen worden.

«Das ist das Allerschlimmste, was Eltern passieren kann», sagte die Nebenkläger-Vertreterin nach der Verhandlung. «Wenn ein Kind stirbt. Das ist die falsche Reihenfolge.» Außerdem könnten sich die Eltern nicht darauf vorbereiten, wenn ihr Kind durch eine Gewalttat ums Leben kommt. «Das ist ein absolutes Trauma. Das lässt sie ein Leben lang nicht mehr los», sagte Krüger. Deshalb hofften die Eltern auf die Höchststrafe, die das Gericht vergeben kann: Lebenslang für Mord.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Geschehen in ihrer Anklageschrift noch als Mord in Tateinheit mit Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall bewertet. Das Gericht sah dafür nach vorläufiger Bewertung aufgrund der Aktenlage jedoch nicht hinreichend Beweise. Deshalb lautet die Anklage jetzt nur noch auf Totschlag. «Darüber sind die Eltern schockiert und traurig», meinte Krüger. Sie hofften, dass der Angeklagte doch noch wegen Mordes verurteilt werde.

Für Mord ist eine lebenslange Haftstrafe vorgeschrieben, für Totschlag mindestens fünf Jahre. Am 29. Oktober soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann könnte der Angeklagte eventuell eine Erklärung abgeben. Am 9. November wollen die Eltern der jungen Frau vor Gericht aussagen. Insgesamt sind bis Ende des Jahres noch sieben Prozesstage geplant.

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