Sanierung des Hamburger Bismarck-Denkmals im Plan

18.10.2021 Das Bismarck-Denkmal über dem Hamburger Hafen wird derzeit saniert. Zuletzt stand es in der Kritik, weil der Reichskanzler auch als Kolonialpolitiker und Militarist gilt. Nun wird während der Sanierung auch in Workshops über die mögliche Umgestaltung gesprochen.

Ein Gerüstbauer montiert ein Gerüst für Reinigungsarbeiten am Bismarck-Denkmal. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Sanierung des Hamburger Bismarck-Denkmals kommt voran und liegt nicht nur von den Kosten her weiterhin im Plan. «Die Arbeiten befinden sich im aktuellen Bauzeitenplan, der von Lieferschwierigkeiten und Witterungseinflüssen beeinflusst wird wie derzeit viele Baustellen», sagte eine Sprecherin des Bezirksamtes Mitte der Deutschen Presse-Agentur.

Derzeit arbeiten Fachleute am Naturstein von Kuppel und Treppen, dichten den Sockel ab, verstärken den Beton an den Bögen und dem Sielschacht und konservieren die Stahlträger im Innenraum. Demnächst soll der Innenraum noch ein Geländer erhalten, außerdem sollen Lüftungs- und Elektrotechnik eingebaut werden. Die eigentliche Granitfigur wurde bereits gereinigt.

Seit Anfang vergangenen Jahres wird das 34 Meter hohe Denkmal im Alten Elbpark über dem Hamburger Hafen für rund neun Millionen Euro saniert. Der Großteil des Geldes kommt vom Bund. Der Sanierungsplan sieht vor, im Sockel des Denkmals einen Ausstellungsraum für Besucher zugänglich zu machen. Im Zweiten Weltkrieg war unter der knapp 15 Meter hohen Figur ein Luftschutzbunker gebaut worden. Das Bauwerk steht seit 1960 unter Denkmalschutz.

Die Linke und mehrere Initiativen sehen die Sanierung kritisch, weil Otto von Bismarck (1815-1898) ihrer Ansicht nach auch für die antidemokratische, militaristische und repressive Ausrichtung des Deutschen Kaiserreichs steht.

Mit Blick auf das umstrittene innen- und außenpolitische Wirken des Reichskanzlers sind zudem mehrere Workshops zur Umgestaltung des Hamburger Wahrzeichens geplant. Die ersten drei haben schon «zahlreiche interessante Vorschläge» gebracht, der Abschlussworkshop ist für den 14. Dezember geplant, wie eine Sprecherin der Kulturbehörde der dpa sagte.

Ziel der Workshops ist eine Wettbewerbsausschreibung für die Umgestaltung des Denkmals, die verschiedene künstlerisch-didaktische Perspektiven aufgreift und zum aktuellen Stand der Debatte passt. «Die verschiedenen wissenschaftlichen, künstlerischen und aktivistischen Perspektiven der international besetzten Panels tragen zu der kritischen Auseinandersetzung um das Denkmal bei, die es unbedingt braucht, damit es in Zukunft nicht mehr unkommentiert im Stadtbild steht», sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) dazu der dpa.

Den Siegerentwurf solle am Ende eine divers besetzte Jury küren. Die Wettbewerbsausschreibung und die Jurybesetzung werden eng mit dem Beirat zur Dekolonisierung Hamburgs abgestimmt, hieß es aus der Behörde weiter.

© dpa-infocom GmbH

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