Erstmals Containerschiff an der Elbe mit Flüssiggas betankt

29.09.2021 Premiere an der Elbe: Ein kommerzielles Containerschiff wird dort mit synthetischem und CO2-neutralem Flüssiggas betankt. Erstmals weltweit, sagt der maritime Koordinator Brackmann. Er spricht von einem großen Schritt zur Klimawende auf See. Doch im Norden gibt es auch Streit.

Das Containerschiff "ElbBlue" wird im Elbehafen betankt. Foto: Axel Heimken/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Containerschiff auf Fahrt mit klimaneutralem Treibstoff: Die «Elbblue» ist am Mittwoch im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel mit synthetischem Flüssiggas betankt worden. «Mit der erstmaligen Betankung eines Containerschiffes mit synthetischem, CO2-neutralem LNG machen wir einen großen Schritt in Richtung maritimer Klimawende und hin zum Zero-Emission-Ship», sagte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann, am Mittwoch.

Nach Angaben von MAN Energy Solution wurde das Schiff mit Kurs Sankt Petersburg in Brunsbüttel mit rund 20 Tonnen synthetischem Erdgas betankt, das aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde. Dadurch gebe es auf der Fahrt nach Russland rund 56 Tonnen weniger CO2-Emissionen. Das Projekt erbringe den Nachweis, dass das Konzept einer maritimen Energiewende technisch trage, sagte Vertriebsvorstand Wayne Jones.

Koordinator Brackmann sprach von einem wichtigen Tag für die Energiewende. Motoren, die aktuell noch fossiles LNG verbrannten, würden künftig mit klimaneutralem LNG betrieben. Die erstmalige Nutzung von synthetischem Flüssiggas ist laut Ministerium ein Leuchtturmprojekt. Die entsprechende Umrüstung von kommerziellen Schiffen sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Null-Emissionen-Schiff bis 2030. Für die Förderung von Forschung und Entwicklungsprojekten stehen der maritimen Branche kommendes Jahr 58 Millionen Euro zur Verfügung.

In Brunsbüttel ist der Bau eines Terminals zum Umschlag von verflüssigtem Erdgas geplant. Die Stadt liegt auf der schleswig-holsteinischen Seite der Elbmündung. Dort erreicht der Nord-Ostsee-Kanal die Elbe. Es gibt dort mehrere Chemieunternehmen. Schleswig-Holsteins Koalition aus CDU, Grünen und FDP hatte das Projekt LNG-Terminal im Koalitionsvertrag verankert, ein Parteitag der Grünen rückte jedoch später davon ab.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht auch umweltpolitische Gründe für das geplante Terminal. «Wenn mittels LNG-Nutzung auch fossile Energieträger wie Öl oder Kohle ersetzt werden, kann das zur Klimaneutralität beitragen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Gas habe immer noch einen hohen Anteil im Wärmemarkt. Deutschland müsse eine sicherere, kostengünstige und umweltfreundliche Gasversorgung sicherstellen. «Das LNG-Terminal in Brunsbüttel trägt dazu bei, den Import von Erdgas zu diversifizieren.» Durch zusätzliche Importkapazitäten könne zudem Preisdruck aus dem Markt genommen werden.

Energieminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) betonte, «um unsere Klimaschutzziele zu erreichen, brauchen wir schnell eine klimaneutrale Container-Schifffahrt». Deshalb freue er sich über die Premiere in Brunsbüttel. «Erstmals werden hier fossile Schiffstreibstoffe durch klimaneutrale Treibstoffe auf Basis von Windenergie ersetzt. Das zeigt: Wir sind technisch in der Lage, Schiffe mit Erneuerbaren Energien zu betreiben.»

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