Nord-Parteien beraten Ergebnisse der Bundestagswahl

27.09.2021 Was bedeutet der Ausgang der Bundestagswahl für die Parteien im Norden? Die CDU von Ministerpräsident Günther musste herbe Verluste hinnehmen, als stärkste Kraft in Schleswig-Holstein ging die SPD aus der Wahl hervor und will bald mehr.

Das Logo der SPD ist zu sehen. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Sozialdemokraten sind Gewinner der Bundestagswahl in Schleswig-Holstein, die CDU von Ministerpräsident Daniel Günther musste bei der Wahl am Sonntag herbe Verluste hinnehmen. Über Konsequenzen der Ergebnisse der Wahl wollen Spitzenvertreter von CDU, SPD und Grünen am Montag beraten. In gut sieben Monaten wählen die Schleswig-Holsteiner am 8. Mai einen neuen Landtag.

Vor allem das Ergebnis der CDU wirft Fragen auf. Die Partei von Ministerpräsident Daniel Günther landete mit 22,0 Prozent nicht nur 12 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2017. Sie schnitt auch schlechter ab als die Union laut Hochrechnungen im Bund und verlor zudem acht ihrer zehn Direktmandate von vor vier Jahren.

Die Sozialdemokraten sind als eindeutig stärkste Kraft aus der Bundestagswahl in Schleswig-Holstein hervorgegangen. Sie legten im Vergleich zu 2017 um 4,8 Punkte zu und schnitten mit 28,1 Prozent im Norden besser ab als im Bund. Es folgten Grüne (18,4), FDP (12,5), AfD (6,7), Linke (3,6) und SSW (3,1). Die Wahlbeteiligung lag mit 81,1 Prozent höher als vor vier Jahren (76,3 Prozent).

Erstmals gewann mit dem Bundesvorsitzenden Robert Habeck im Wahlkreis Flensburg-Schleswig in Schleswig-Holstein ein Grünen-Bewerber ein Bundestags-Direktmandat. In Kiel verteidigte der SPD-Bundestagsabgeordnete Mathias Stein sein Mandat knapp gegen die Grünen-Spitzenkandidatin im Land, Luise Amtsberg. Ex-SPD-Bundesvize Ralf Stegner setzte sich in Pinneberg klar gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael von Abercron durch.

Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) feierte am Sonntagabend die wahrscheinliche Rückkehr in den Bundestag nach mehreren Jahrzehnten. Die von der Fünf-Prozent-Hürde befreite Minderheitenpartei aus Schleswig-Holstein stellt Hochrechnungen zufolge künftig einen Abgeordneten in Berlin. «Das ist eine Riesensensation für unsere kleine, aber fantastisch tolle Partei», sagte Spitzenkandidat Stefan Seidler, der künftig als fraktionsloser Abgeordneter im Bundestag sitzen will.

Zwei der drei Koalitionspartner in Schleswig-Holstein hoffen auf ein Jamaika-Bündnis auf Bundesebene. Im Gegensatz zu CDU und FDP wollte sich die Grünen-Spitze im Norden am Sonntagabend noch nicht auf die Wunsch-Bündnispartner festlegen. Regierungschef Günther sprach sich klar für ein Bündnis von CDU, Grünen und FDP auch im Bund aus. «In Schleswig-Holstein zeigen wir, dass ein Jamaika-Bündnis ein Modell dafür sein kann, indem es wichtige Zukunftsthemen anpackt und Ökonomie und Ökologie erfolgreich miteinander versöhnt.» Die mit CDU und Grünen in Kiel regierende FDP warb ebenfalls für eine solche Koalition.

© dpa-infocom GmbH

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