HHLA und Cosco einig über Terminalbeteiligung in Hamburg

21.09.2021 Der Terminalbetreiber Cosco steigt als Partner des Hafenlogistikers HHLA beim Hamburger Containerterminal Tollerort ein. Nach monatelangen Verhandlungen einigen sich beide Seiten auf eine 35-prozentige Minderheitsbeteiligung der Chinesen.

Eine Yacht liegt im Dock 11 während das Containerschiff "Cosco Shipping Sagittarius" manövriert. Foto: Jonas Walzberg/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Hamburger Hafenlogistikspezialist HHLA und der chinesische Terminalbetreiber Cosco haben sich nach monatelangen Verhandlungen über eine Beteiligung am Hamburger Containerterminal Tollerort (CTT) geeinigt. Die Cosco Shipping Ports Limited (CSPL) erhalte eine 35-prozentige Minderheitsbeteiligung, teilte die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) am Dienstag in Hamburg mit. Im Gegenzug konzentriere Cosco seine Ladungsströme in der Hansestadt, der Containerterminal CTT werde zu einem «Prefered Hub» in Europa, also zu einem bevorzugten Umschlagpunkt. Ungeachtet der Vereinbarung stehe das Terminal weiterhin allen Reedereikunden offen, betonte die HHLA. Die Verhandlungen waren Anfang Juni bekannt geworden. Die Behörden müssten dem Deal noch zustimmen.

Die maritime Welt sei derzeit sehr starken Veränderungen ausgesetzt, sagte HHLA-Chefin Angela Titzrath. «Langjährige und vertrauensvolle Kundenbeziehungen, wie sie die HHLA seit 40 Jahren im Warenverkehr mit China pflegt, sind deshalb besonders wichtig.» Der erste chinesische Frachter sei schon 1982 am Tollerort abgefertigt worden. «Vor diesem Hintergrund verfolgen HHLA und Cosco gleichermaßen das Ziel einer erfolgreichen Zukunftssicherung des CTT und noch stärkeren Verzahnung chinesischer Logistikströme am Standort Hamburg.»

CSPL-Geschäftsführer Zhang Dayu nannte das Terminal eine wichtige Säule der Logistik in Europa. «Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unserem Partner HHLA die vorhandenen Potenziale zu entfalten und den Standort erfolgreich weiterzuentwickeln.» Den Angaben zufolge werden derzeit am CTT unter anderem zwei Fernost-Dienste, ein Mittelmeer-Verkehr und ein Ostsee-Feeder-Dienst von Cosco abgefertigt. Der CTT - eines von drei HHLA-Terminals - verfügt über vier Liegeplätze und 14 Containerbrücken.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) begrüßte das Engagement von Cosco. «Das ist gut für Hamburg, unsere Hafenunternehmen und die gesamte deutsche Im- und Exportwirtschaft.» Der Hafen habe eine gute Perspektive - mit einer besseren Erreichbarkeit durch die Elbvertiefung, digital optimierten Prozessen und der besten klimafreundlichen Schienenanbindung in Europa. «Durch die Mehrheitsbeteiligung der HHLA bleiben Hamburger Interessen und Standards am Terminal Tollerort gesichert», betonte Tschentscher. Ähnlich äußerte sich die SPD-Bürgerschaftsfraktion.

Kritik kam von den Linken, der AfD und der FDP. «Die Entscheidung des Senats, ohne Beteiligung der Bürgerschaft eine strategisch bedeutende Beteiligung am Containerterminal Tollerort an die Cosco-Reederei zu vergeben, ist auf alle Fälle eine Provokation», sagte der Linken-Hafenexperte Norbert Hackbusch. Und die Bürgerschaft noch nicht mal in vertraulicher Sitzung über wesentliche Eckpfeiler dieser Veräußerung zu informieren oder entscheiden zu lassen, setze dem noch die Krone auf. Dabei gebe es viele offene Fragen, etwa zu den Jobs im Hafen oder der Gewinnbeteiligung.

Auch Hamburgs FDP-Chef Michael Kruse beklagte, dass die Bürgerschaft außen vor geblieben sei. «Der Einstieg chinesischer Unternehmen in kritische Infrastruktur in Deutschland bedarf einer parlamentarischen Erörterung im Bundestag und in der Bürgerschaft.» Er forderte den Senat auf, sich für derart einschneidende Entscheidungen die Zustimmung der Parlamente zu holen und diese nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion durchzupeitschen.

Der hafenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Krzysztof Walczak, sagte: «Die Kommunistische Partei Chinas hat jetzt Einfluss auf unseren Hamburger Hafen.» Der Ausverkauf an China sei der falsche Schritt. Eine Minderheitsbeteiligung der Chinesen war zuletzt schon bei der Gewerkschaft Verdi auf Bedenken gestoßen. Sie fürchtet, dass damit längerfristig Einschnitte für Beschäftigte einhergehen könnten.

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