Party mit Geimpften und Genesenen: Zwei-G-Modell startet

24.08.2021 Ungeimpfte müssen draußen bleiben. Hamburgs Kultur-, Gastronomie-, Event- und Beherbergungsbetriebe können vom Wochenende an so gut wie alle Corona-Einschränkungen fahren lassen. Sie können ihre Läden voll auslasten, sofern sie nur Geimpfte und Genesene reinlassen.

Eine FFP2-Maske liegt auf einem Leuchttisch. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Volle Kinos, Kneipen, Theater, keine Sperrstunde mehr - in Hamburg ist das von Samstag an wieder möglich, sofern die Veranstalter und Wirte nur Geimpfte und Genesene einlassen. Der rot-grüne Senat beschloss am Dienstag das sogenannte Zwei-G-Optionsmodell, wonach Veranstalter entscheiden können, ob sie künftig nur noch Geimpfte und Genesene einlassen und dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie weiter das Drei-G-Modell nutzen wollen. Dieses bezieht Getestete und damit Ungeimpfte ein, unterliegt aber bisherigen Corona-Einschränkungen. In Innenräumen gilt wie bisher in der Regel eine Maskenpflicht.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) begründete die Entscheidung des Senats damit, dass Geimpfte und Genesene im Vergleich zu den Ungeimpften keinen wesentlichen Anteil am Infektionsgeschehen hätten. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Hamburg liege bezogen auf die Gesamtbevölkerung bei Ungeimpften bei 78,12, bei Geimpften aber nur bei 3,36. Das könne man doch nicht ignorieren und all die Geimpften weiter einschränken. Tschentscher betonte: «Beschränkungen müssen verhältnismäßig sein und dürfen nur so lange erfolgen, wie sie zur Pandemiebekämpfung nötig sind.»

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Zwei-G-Optionsmodell sei, dass die Veranstalter dies online anmeldeten und dann unter anderem bei den Gästen Impfausweis/Genesenen-Nachweis und Personaldokumente kontrollierten. «Wir müssen hier wirklich auf strikte Einhaltung der Bedingungen achten», sagte Tschentscher. Verstöße können den Angaben zufolge zu Bußgeldern von 1000 bis 20 000 Euro und zum Verlust der Möglichkeit führen, am Zwei-G-Modell weiter teilzunehmen.

Mitmachen könnten unter anderem Kneipen, Restaurants, Theater, Kinos, Opern und Beherbergungseinrichtungen. Aber auch bei religiösen Veranstaltungen, bei Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, bei Messen, privaten Feiern und bei Sportveranstaltungen mit Publikum könne das Modell zur Anwendung kommen, sagte Tschentscher. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre könnten vorerst ungeimpft Zwei-G-Modelle besuchen, weil sie sich noch nicht lange impfen lassen könnten. Tschentscher kündigte aber an, dass diese Möglichkeit in einigen Wochen fallen werde.

Wird das Zwei-G-Optionsmodell gewählt, gibt es unter anderem kein Abstandsgebot mehr, keine Testpflicht, meist keine Kapazitätsgrenzen, dafür eine freie Tisch- und Sitzplatzanordnung. Weiterhin gilt die Maskenpflicht in Innenräumen. An Sportveranstaltungen mit Publikum dürfen beim Zwei-G-Modell künftig in Innenräumen 1300 Menschen und im Freien 2000 Menschen teilnehmen. Das sei eine Verdoppelung der bisherigen Zahlen. Bei Sportgroßveranstaltungen mit Sondergenehmigung liege die Obergrenze weiter bei 25.000 Zuschauern, sagte der Chef der Senatskanzlei, Jan Pörksen. Bei einem Zwei-G-Modell sei diese Zahl auch bei Inzidenzwerten von über 35 möglich.

Tschentscher sicherte zu, dass das Zwei-G-Modell auch bei einem weiteren Ansteigen der Inzidenzen nicht in Frage gestellt werde. «Wir würden dann die Beschränkungen für die Bereiche und Personengruppen vornehmen müssen, die die Pandemie im Wesentlichen ausmachen und das sind eben die Ungeimpften.» Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) stimmte dem ausdrücklich zu und appellierte an die Menschen, sich impfen zu lassen.

Zur Klage aus der Opposition, dass Hamburg damit eine Impfpflicht durch die Hintertür einführe, sagte Tschentscher: «Das ist eine Interpretationsfrage.» Wenn es eine Reisebeschränkung ohne Impfnachweis gebe, sei das ja auch eine indirekte Impfpflicht. Der Bürgermeister kündigte an: «Es wird so kommen, auch aus rechtlichen Gründen, dass es ein Unterschied ist im normalen Leben, ob ich geimpft bin oder nicht.»

Die CDU-Opposition unterstützt das Zwei-G-Optionsmodell. «Der damit verbundene Wegfall der allermeisten Beschränkungen bietet einen echten Mehrwert und leitet eine neue Phase der Corona-Pandemie ein», sagte Fraktionschef Dennis Thering. Andere Bundesländer seien da allerdings schon weiter «und auch als CDU-Fraktion hätten wir uns mit Blick auf die immer noch betroffenen Branchen frühere Schritte im Sinne von Öffnungen mit 2G gewünscht».

Die Linken kritisierten das Zwei-G-Modell und wollen es durch ein «Drei-G-Plus-Modell» ersetzen, das statt eines negativen Schnelltests einen negativen PCR-Test vorsieht. Gleichzeitig sollten die dezentralen Impfangebote massiv ausgeweitet werden. Die AfD sprach von einem gefährlichen Sonderweg des Senats, der die Gesellschaft weiter spalte. «Der Druck auf Nichtgeimpfte wird auf unerträgliche Weise erhöht.» Die FDP erklärte, sie halte das Optionsmodell für verfassungswidrig.

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