Nabu: Jungstörche verhungern

14.08.2021 Dank einer veränderten Winterroute - Spanien statt Afrika - sparen Störche Kraft und finden mehr Nahrung auf Mülldeponien. Die Population auf der Westroute nimmt deshalb zu. Viele Jungstörche überlebten aber das feuchte Frühjahr in Deutschland nicht.

Störche verweilen auf einem Hausdach. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das feuchte Frühjahr hat der Storchenbrut mancherorts zugesetzt. So macht sich eine dezimierte Anzahl von Jungstörchen in den nächsten Tagen auf den Weg gen Süden. Wegen der feuchten Witterung im Frühjahr hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) besonders viele tote Jungvögel in Nordwestdeutschland verzeichnet. «Das ist schon etwas ungewöhnlich, dass sie nach drei bis vier Wochen verhungern», sagte Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto-Institut des Nabu der Deutschen Presse-Agentur. Schwacher Nachwuchs werde sonst nach ein paar Tagen aus dem Nest geworfen. In diesem Fall seien die jungen Vögel verhungert, weil das Angebot an Mäusen und Fröschen nicht groß genug gewesen sei.

Zudem habe das Verbauen von Plastik und Grassilage dazu geführt, dass einige Storchenhorste zu nass gewesen seien - mit fatalen Folgen für die Jungtiere: «Sie haben kein richtiges Federkleid und sind zu groß um von den Eltern gewärmt zu werden. Sie werden lethargisch und gehen ein», erklärte der Storchenexperte aus Bergenhusen in Schleswig-Holstein. Landwirte könnten Strohballen aufschneiden, um sie von der Silage abzuhalten. Strohhalme im Nest lassen das Wasser besser als die verdichtete Silage abfließen.

Allein im Landkreis Stade waren mindestens zwölf Jungstörche im Nest verhungert. Ein Veterinär diagnostizierte eine «vollständige körperliche Auszehrung» und «typische morphologische Befunde des Verhungerns». Der Verlust von Feuchtwiesen und Gewässern in der Landschaft führte zu einem Mangel an Fröschen. Auch Mäuse gab es wegen der feuchten Witterung im Frühjahr in vielen Regionen nicht genug. Sie sind die Hauptbeute der Störche neben Regenwürmern.

Der Weißstorch macht sich im August/September auf den Weg in wärmere Gefilde, der Nachwuchs zuerst. Die Veränderung auf der westlichen Route mit dem Ziel Spanien statt Afrika habe der Population gut getan. Die Vögel finden auf spanischen Müllkippen und Reisfeldern genug Nahrung, sie suchen sich Schlafplätze in der Umgebung. «Seit Jahren fliegt ein Großteil auf der Zugroute Südwesten nur noch 2000 Kilometer statt manchmal 6000, dadurch ist die Sterblichkeitsrate extrem gesunken. In Afrika kommt hinzu, dass sie umhervagabundieren und viele Risiken eingehen», erklärte Thomsen.

Die Veränderung der Winterroute habe zu einer Zunahme der Population in Westdeutschland geführt. Aus den östlichen Bundesländern fliegen die Störche meist über die Türkei nach Afrika.

2019 gab es bundesweit etwa 7500 Paare. «Wahrscheinlich sind es nun über 8000», sagte Thomsen. Niedersachsen sei das storchenreichste Bundesland. Bei stabil guter Wetterlage fliegen die Jungstörche in den nächsten Tagen los - meist ohne Eltern - und nutzen die sommerliche Thermik unterwegs. Sie treffen jedoch immer wieder auf erfahrene Vögel, die sie begleiten und ihnen den Weg zeigen. «Der Zugtrieb ist angeboren, en détail lernen sie von den anderen Störchen», berichtete Thomsen.

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